georgien rundreise mit dem mietwagen png

Chaos auf den Straßen

Als letzte Station unserer Georgienrundreise, erreichten wir Tiflis. Der Verkehr hinein in die Hauptstadt Georgiens war, sagen wir mal, spannend. Das, was wir schon auf Landstraßen erlebten, setzte sich natürlich auch hier fort. Jeder fährt, wie er es für richtig hält und so, wie man vermeintlich am schnellsten voran kommt. Spurmarkierungen sind bestenfalls nur so etwas wie eine Empfehlung. Der Blinker zeigt nicht etwa an, dass man gern demnächst die Spur wechseln würde, sondern eher: “Ich werde meinen Wagen genau jetzt, um jeden Preis vor deine Karre setzen! Mir doch egal, ob du dafür voll in die Eisen steigen musst.” Überholt wird auch im Stau. Genau das spiegelt aber auch der Zustand der Autos wieder. Oft sieht man Fahrzeuge komplett ohne Front und Heckschürze, manchmal sogar ganz ohne Scheinwerfer. Übrigens: Wer sich schon immer mal gefragt hat, wohin ausrangierte deutsche Firmenwagen exportiert werden, wird in Georgien auf jeden Fall fündig. Aufschriften wie “Bäckerei Schmidt und Söhne Oldenburg” oder “Floristik Meier, Schwerin” konnte man immer wieder auf kleinen Lieferwagen sehen. Man macht sich hier nicht die Mühe die alten Aufschriften zu entfernen. Sogar ein georgischer Krankenwagen, ließ noch “Deutsches Rotes Kreuz” unter neuem Schriftzug hindurchschimmern.

Es war nun Zeit sich von “The Machine” zu verabschieden. Nodari schickte seinen Schwager, um unseren Mietwagen abzuholen. Wir hatten das Auto sogar noch einen Tag länger als vereinbart, ohne Aufpreis. Für seine Herzlichkeit und den ein oder anderen Reisetipp schenkten wir ihm noch eine Schachtel Pralinen und eine Flasche deutsches Bier. Wir waren also fortan wieder zu Fuß unterwegs.

T'bilisi. Die Schönheit des Verfalls

Wir hatten uns in Tiflis ein kleines Apartment gemietet, da wir hier ein wenig an unseren Vlogs und unserer Webseite arbeiten wollten. In den zwei Wochen war natürlich neben der Arbeit auch noch genug Zeit für Sightseeing. Als erstes Verschlug es uns in die Altstadt. Über die Rustaveli Allee, an der sich viele ältere und neue Prunkbauten, Theater und Regierungsgebäude befinden, erreichten wir den Freiheitsplatz. Auf einer 30 Meter hohen Säule thront eine goldene Statue des heiligen Georgs, dem Namensgeber Georgiens. Zu Sowjetzeiten befand sich an seiner Stelle jedoch noch ein Lenindenkmal. Von hier aus betraten wir die Altstadt. Nirgends vorher hatten wir bisher erlebt, wie abrupt innerhalb eines Ortes die Atmosphäre wechselte. Wenige Schritte hinter schicken Geschäften mit teuren Uhren und Designerkleidung, fanden wir uns inmitten alternativer Szene wieder. Überall gab es hippe Bars und Restaurants, gespickt mit allerlei kleinen Läden für selbstgemachten Schmuck und Kunst jeglicher Art. Die Häuser hier sind einfach nur erstaunlich. Ein Großteil ist schief und baufällig. Wir blickten in Hausflure mit surreal anmutenden Treppen, die außer von oben nach unten, auch ein Links-Rechts-Gefälle hatten. Fenster und Türen hingen ebenfalls schräg in der Wand. Manchmal drückten massive Dachgiebel das ganze Mauerwerk nach außen. Viele Gebäude waren nicht nur dem Einsturz nahe, sondern waren tatsächlich teilweise oder ganz kollabiert. Das alles befindet sich in einem Labyrinth aus engen Straßen und Gassen, bergauf und bergab. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des Verfalls,versprüht hier jede Ecke unglaublich viel Charme. Wir freuten uns einfach um die nächste Ecke zu biegen und auf eine weitere architektonische Kuriosität zu treffen.

Mutter Georgiens – Neu und Alt

Am Rande der Altstadt befindet sich der Solaki-Gebirgskamm, von dem aus die Mutter Georgiens über Tiflis wacht. Sie ist eine 20 Meter hohe Monumentalstatue. Sie trägt in der linken Hand ein Schwert zur Verteidigung gegen Feinde und in der rechten einen Weinkelch als Willkommenssymbol für Freunde Gerogiens. Mit leicht geneigtem Haupt, überblickt sie die gesamte Stadt. Unzählige Stufen führen von der Altstadt aus hinauf, vorbei an der Bethlehem-Kirche, mit ihrem wunderschönen weinbewachsenem Garten. Die Aussicht von hier oben war phenomenal! Für uns war klar, dass wir hier auch noch einmal zum Sonnenuntergang herkommen mussten. Auf dem Rückweg liefen wir über die Freiheitsbrücke. Die modern geschwungene Fußgängerbrücke besteht aus Stahl und Glas und führt über den Fluss Kura direkt in den Rike Park. Die sich hier befindende Konzerthalle sah aus der Ferne aus, wie ein gigantischer liegender Fön. Das sehr abstrakte Gebäude vor der Kulisse historischer Bauwerke, ist ein gutes Beispiel dafür, wie in Tiflis Alt auf Neu trifft. Weiter in Richtung unserer Unterkunft, befindet sich der Präsidentenpalast, der verblüffende Ähnlichkeit zum Berliner Reichstagsgebäude aufweist. Am Abend fuhren wir noch einmal mit der Seilbahn auf den Solaki-Gebirgskamm. Neben der Mutter Georgiens befindet sich hier außerdem die Nariqala-Festung mit gleichnamiger Kirche. Von hier aus schossen wir einige wunderschöne Nachtaufnahmen der leuchtenden Stadt. Unser Rückweg führte uns durch das Bäderviertel Abanotubani. T’bilisi, der georgische Name der Stadt, bedeutet so viel wie “Warme Quelle”. Im Süden der Stadt entspringen bis zu 46°C warme kohlensäurehaltige Schwefelwasserquellen, die seit über 700 Jahren für Heil- und Entspannungsbäder genutzt werden.

Puddingplumbus und Mtatsminda-Park

Das erste Mal seit der Slowakei, hatten wir die Möglichkeit, wieder selbst zu kochen. Und das taten wir auch. Die Zutaten dafür besorgten wir größtenteils auf dem Deserter Basar. Der Weg dorthin führte uns unter anderem durch die Tsinamdzgvrishvili Straße. Die Häuser hier waren im Gegensatz zur Altstadt allesamt saniert und sehr schick. Auf dem Markt kauften wir jede Menge frisches Obst und Gemüse und an einem Backwarenstand eins der leckersten süßen Dinge, was georgische Küche zu bieten hat. Den Namen kennen wir leider nicht, sodass wir diesen mit Pudding gefüllten Teigbatzen “Puddingplumbus” tauften. Die Einkäufe in unserem Appartement verstaut, ging es für uns in den Mtatsminda-Park. Der Freizeitpark mit Achterbahn, Riesenrad und jeder Menge anderer Fahrgeschäfte, befindet sich auf dem gleichnamigen Berg auf über 700 Metern Höhe. Hinauf fährt man mit der Schienenseilbahn. Hier oben fand nämlich ein Teil des stadtweiten T’blisoba-Festivals statt. Neben georgischem Essen und handgemachten Krimskrams, sahen wir Folkloretänze in traditionellen Trachten. Eine Fahrt mit dem 65 Meter hohen Riesenrad, dass wir jeden Abend bunt beleuchtet von unserer Unterkunft beobachten konnten, ließen wir uns natürlich auch nicht nehmen. Zumal eine Runde umgerechnet nur 1,50 Euro kostete.

Sonnenuntergang an der Sameba Kathedrale

An einem Morgen trafen wir uns ein viertes und leider vorerst letztes Mal mit Jasmin. Sie machte mit ihrem kleinen Campervan einen letzten Stopp in Tiflis, bevor es für sie über Aserbaidschan Richtung Iran ging. Wir trafen uns in der Aghmashenebeli Allee, bekannt für ihre gut erhaltenen historischen Wohnhäuser und die vielen Restaurants. Früher lebten hier viele Deutsche. So mündet die Straße zum Beispiel in den Saarbrücken-Platz. Nach einem gemütlichen Frühstück hieß es nun Abschied nehmen, bevor Jasmin weiter nach Aserbaidschan und schließlich in den Iran wollte. Danach ging es für uns zur Sameba Kathedrale. Das gigantische orthodoxe Gebetshaus ist die größte Kirche Transkaukasiens und weist eine erstanliche Symetrie auf. Wirklich ein perfektes Fotomotiv. Das Gebäude wurde 2004 fertiggestellt und aus Mitteln des georgischen Geschäftsmannes Bidsina Iwanischwili finanziert. Der Milliardär ist einer der reichsten Menschen Georgiens und war sogar von 2012 bis 2013 Staatspräsident. Von seinem gigantischen Anwesen auf einem Hügel auf der anderen Seite des Tals, in dem Tiflis zum Teil liegt, hat er beste Sicht auf seine Kirche. Das Innere georgischer Kirchen ist in Sachen Prunk meist nicht mit katholischer Kirchen vergleichbar, jedoch war allein das schier endlos hohe Deckengewölbe mit einer riesigen Jesus-Darstellung beeindruckend genug. Draußen stand die Sonne inzwischen schon tief und tauchte die Sandsteinfassade der Kathedrale in goldenes Licht. Ein wunderschöner Anblick.

Unsere Zeit in Tiflis und somit auch in Georgien neigte sich nun langsam dem Ende zu. Die Stadt ist, trotz des chaotischen Gewusels auf den Straßen und dem quasi nie verstummenden Verkehrslärm, eine wunderschöne Stadt, in der es so viel zu entdecken gibt. Wir können einen Besuch in Georgiens Hauptstadt nur jedem wärmstens ans Herz legen.