türkei rundreise mit dem bus png

Kurzer Strandurlaub

Unser Bus erreichte Antalya am späten Abend. Zunächst überfordert vom öffentlichen Nahverkehr, erhielten wir von Einheimischen die nötige Starthilfe. In größeren Städten gibt es nämlich keine Dolmus-Sammeltaxis mehr, sondern normale Linienbusse. Wir musste vor der Fahrt an einem Kiosk eine Art Prepaid-Fahrkarte kaufen, die man mit beliebig viel Geld aufladen konnte. Da wir keinen Schimmer hatten, wie viel eine Fahrt kosten würde, zahlten wir 8 türkische Lira ein. Es schien zu reichen, denn der Busfahrer nahm uns mit, nachdem wir das Ticket über den Scanner hielten.

In Antalya wollten wir nach zuletzt vielen Nächten mit zu wenig Schlaf vor allem eins: Nichts tun. Den ersten Tag verbrachten wir komplett am Strand, genau wie den zweiten. Während des zweiten Tags erfuhren wir, dass Gabriela und Shanti auf dem Weg nach Antalya waren. Und zwar, in unser Hotel! So war neben einem kurzen Wiedersehen, auch noch ein gemeinsames Abendessen drin. Bisher hatten alle Länder, die wir auf unserer Reise besuchten, irgendeine Form von gefüllten Nudeltaschen. Pierogi in der Slowakei, Wareniki in der Ukraine, Kkinkali in Georgien und nun Mantı in der Türkei. Serviert mit Joghurt und Paprika-Öl, sehr sehr lecker! Mit einem Bierchen am Strand, ließen wir den Abend ausklingen.

Schon nach dem Frühstück am nächsten Morgen, hieß es wieder Abschied nehmen. Wir stiegen in den Bus zum Busbahnhof und mussten nun feststellen, dass 8 türkische Lira offensichtlich zu wenig waren, um eine zweite Fahrt bezahlen zu können. An unserer Haltestelle gab es jedoch keine Möglichkeit die Fahrkarte wieder aufzuladen. Kein Problem für unseren Busfahrer. Er nam uns drei Stationen zum nächsten Ticketshop mit und wartete mit der Weiterfahrt, bis wir wieder Guthaben auf der Karte hatten.

Wiedersehen in Pamukkale

Mit dem Fernbus über Denizli, fuhren wir mit dem Dolmus weiter nach Pamukkale. Die Tür öffnete sich und wer hieß uns grinsend in Pamukkale willkommen? King! Nachdem er in Kappadokien kein Glück mit seinem Ballonflug hatte, ging es für ihn in Fetihye doch noch mit einem Gleitschirm hoch hinaus. Und nun trafen wir uns hier wieder.

Wir checkten im gleichen Hotel ein, wie er und machten uns anschließend direkt auf den Weg zu den berühmten Kalksinterterassen. Man kennt Pamukkale ja von unzähligen Fotos. Wenn man im Internet nach Sehenswürdigkeiten für die Türkei sucht, findet man Pamukkale mit als erstes. Wie zu erwarten, war es daher wirklich extrem voll. Wir hatten allerdings noch Glück, da die meisten Touristen am Morgen angekarrt werden und nach dem Mittagessen den Ort schon wieder verlassen. Und trotzdem waren die Kalkterassen am Abend immer noch gut besucht. Doch es lohnt sich. Es ist wirklich genauso schön wie auf den Fotos. Es scheint als würde man wolkenhafte Stufen direkt in den Himmel beschreiten. Überall schneeweiße Kalkfelsen, von denen seicht lauwarmes Wasser hinunter rinnt. An vielen Stellen entstanden durch Kalkablagerungen über die Zeit natürliche Wasserbecken, die die typischen höhenversetzten Terassen bilden. Der Sonnenuntergang hauchte dem Kalkstein eine warme Note ein und bot perfektes Fotolicht.

Je höher wir hinauf stiegen, desto voller wurde es. Halb Asien schien sich hier zu versammeln. King erklärte uns, dass die Türkei, speziell Kappadokien und Pamukkale, in Asien der heiße Scheiß ist. Außerdem konnte er anhand von Gesprächsfetzen, die er im Vorbeigehen aufschnappte, unterscheiden, aus welchen Ländern die Leute kamen. Nach China, waren vor allem, Korea, Japan, Malaysia, Indonesien, Singapur und Hong Kong vertreten. Ganz oben angekommen, gab es fast kein Durchkommen mehr. Der Grund, weshalb sich an dieser einen Stelle eine riesige Menschentraube bildete, war der perfekte Blickwinkel für Fotos von den Sinterterassen. Hier war quasi DAS Fotomotiv von Pamukkale. Allerdings waren die berühmtesten Kalkbecken, die man von den meisten Fotos kennt, zur Zeit nicht einmal mit Wasser gefüllt.

Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, ließen wir uns ein Bad in einer der warmen Terassenbecken nicht entgehen. Mit der Dunkelheit verschwanden die meisten Besucher und auch für uns wurde es Zeit zu gehen. Es war wirklich nicht einfach die teilweise sehr rutschigen Kalkfelsen wieder hinunter zu laufen. Nach dem Abendessen, zurück im Hotel, verkrümelten wir uns in unseren Betten.

Kaklık-Höhle - Unterirdisches Pamukkale

Was uns am Morgen im Frühstückssaal erwartete, war das größte und beste Frühstücksbuffet, das wir je gesehen haben. Schon allein deswegen entschieden wir uns, noch eine weitere Nacht hier zu bleiben. Das Hotel war für Pamukkale auch nicht wirklich teuer. Leider hatten wir Pech. An der Rezeption, stellten wir ernüchternd fest, dass das Hotel nicht nur aus- sondern auch noch überbucht war. Tja, ‘s ist halt, wie´s ist. Wir buchten also eine Unterkunft in Denizli und verließen Pamukkale. Nach dem Check in in unserem neuen Hotel, fuhren wir von Denizli nach Kaklık.

Hier befindet sich die Kaklık Mağarası, eine Höhle, in der es ebenfalls weiße Kalksteinfelsen gibt. Zu unserem Erstaunen war der Eintritt kostenlos. Vielleicht, weil die Höhle nicht besonders groß und etwas abgelegen ist. Nichtsdestotrotz ist sie wirklich spektakulär. Unterirdische Wasserfälle formen hier weich geschwungene Kalkformationen und natürliche Sinterterrassen, ähnlich wie in Pamukkale. Nur eben unterirdisch. Und das Beste war, dass wir hier fast die einzigen Besucher waren. Mit King hatten wir natürlich trotzdem den obligatorischen asiatischen Touristen dabei. 😉 Nach zwei beeindruckenden Runden auf den für Besucher angelegten Holzbrücken, verließen wir die Höhle und fuhren zurück nach Denizli. Im Hotel verbrachten wir wieder einen witzigen Abend mit ein paar Runden “Lange Straße”. Währendessen futterten wir drei Granatäpfel, die wir auf der Straße für gerade einmal 20 Cent gekauft hatten, brachten uns gegenseitig ein paar Wörter unserer Sprachen bei und hörten Musik aus unseren jeweiligen Heimatländern. Wir waren voll auf einer Wellenlänge und haben die Basis für eine Freundschaft in Fernost gelegt. Vor dem Zubettgehen, planten wir noch gemeinsam einen Ausflug für den nächsten Tag.

Antike Ruinenstadt Laodikeia

Wenn man schon einmal in der Türkei war, musste man natürlich auch eine der zahlreichen antiken Ruinenstädte mitnehmen. Mit dem Dolmus fuhren wir nach Laodikeia, wo wir umgerechnet etwa 6 Euro pro Person Eintritt zahlten.

Gegründet zwischen 261 und 253 v. Chr. schwang sich die Stadt über die Jahrhunderte zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum auf. Die Stadt lebte zunächst überwiegend von Pilgern und Kurgästen, da das Thermalwasser der Region als heilig und heilend angesehen wurde. Außerdem nutzte man die spezielle Zusammensetzung des Wassers, in Kombination mit einer rotfärbenden Pflanzenwurzel zur Herstellung sehr gefragter purpurfarbener Stoffe. So entwickelte sich Laodikeia zum größten Purpurstoff-Produzenten für das gesamte römische Reich. Sogar für Cleopatra wurden purpurne Segel hergestellt.

Heute existieren in Laodikeia unter anderem noch Ruinen von ehemalien Bädern, Tempelanlagen und zwei Amphihtheatern. Bei Ausgrabungen hat man Überreste einer der der ältesten christlichen Kirchen aus dem frühen 4. Jahrhundert freigelegt und teilweise rekonstruiert. Am beeindruckensten fanden wir die detailverliebten Mosiakfliesen, die einst den gesamten Fußboden des Gebetshauses zierten.

Zurück in Denizli fanden wir ein kleines verstecktes Restaurant. Eine Treppe in einem unscheinbarer Hauseingang führte hinauf in die erste Etage. Auf den ersten Blick waren wir uns nicht sicher, ob wir hier in einer Privatwohnung standen, oder in einem Restaurant. Ein wiedermal ausgesprochen freundlicher Mann bestätigte uns, dass es sich tatsächlich um ein Lokal handelte. Eine reisige Portion Manti für jeden später, ging unser Aufenthalt in Denizli und damit eine tolle Zeit mit unserem neuen Freund King langsam zu Ende. Er nahm am Abend einen Flug und wir den Nachtbus nach Istanbul.