Batumi

Übers Schwarze mehr nach Batumi

„Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein…“ Nagut, Moni durfte auch mit. Nachdem wir bisher nur mit Zug und Auto unterwegs waren, sollte unsere Reise ins nächste Land mal etwas anders aussehen. ⠀

Die Greifswald, in der DDR gebaut, ist eine Eisenbahnfähre und verkehrt inzwischen unter panamaischer Flagge für eine ukrainische Fähren-Gesellschaft zwischen Odessa und Batumi, Georgien. Eisenbahnen waren zwar keine an Bord, dafür jede Menge LKW, samt Fernfahrern, überwiegend aus der Ukraine und Georgien. ⠀

Für die Mahlzeiten im Schiffsrestaurant wurde uns ein Tisch zugewiesen, an dem neben uns drei weitere Deutsche, ein dänischer Pilot, ein amerikanischer Schriftsteller und ein Japaner saßen. Der Pilot, schon aus Berufsgründen viel unterwegs, ist auch zu Lande mit seinem Motorrad schon ordentlich rumgekommen. Der Amerikaner, ebenfalls mit Motorrad unterwegs, hat bereits 87 Länder bereist und der Japaner war während der Überfahrt leider kaum zu sehen, da er krank das Bett hüten musste.

Merab, ein georgischer Ingenieur, war bestens gelaunt, da er drei Monate in der Ukraine Windräder baute und nun endlich in seine geliebte Heimat zurückkehren konnte. Anlass genug für ihn, uns auf einen Wodka einzuladen. Ein weiterer netter Georgier erzählte uns von seiner Zeit bei der sowjetischen Armee, da er Ende der 80er in Prenzlau und Weimar stationiert war. Das Meer war während unser 48-stündigen Überfahrt überwiegend spiegelglatt. Nur ganz selten spürte man den Seegang. An beiden Morgenden sahen wir Delfine.

Wir erreichten unser Ziel pünktlich nach 48 Stunden. Für uns war es eine total entspannende Art zu Reisen und eine tolle Erfahrung, mit vielen spannenden Bekanntschaften. An der Küste erschienen die Hochhäuser der georgischen Küstenstadt Batumi. Als die Greifswald bei schönstem Abendlicht in den Hafen einlief, lies Merab seinen Blick nachdenklichen über die Skyline an der Küste schweifen und sagte zu uns: „Sie wird größer und größer, jeden Tag.“ Schon von der Fähre aus ahnten wir die Aufbruchsstimmung, die in dieser Stadt herrscht. 

Das Las Vegas des Ostens

Batumi, eine Stadt im Wandel. Ein Ort, der aufgrund ausländischer Investoren inzwischen das Las Vegas des Ostens genannt wird. Riesige Hotelkomplexe, Bürogebäude und Casinos prägen heute das Stadtbild. Die Immobilienpreise haben sich seit 2004 verdreifacht.

Über eine Facebook-Gruppe verabredeten wir uns mit Jasmin. Ebenfalls eine Langzeitreisende aus Garmisch, die allein mit ihrem kleinen Mini-Camper unterwegs ist. Naja ganz allein ist sie nicht. In Mazedonien hat sie den kleinen Zeki adoptiert. Zeki ist ein kleiner Jack-Russel-Mix, der sie seitdem begleitet. Wir verbrachten einen lustigen Abend im K2-Restaurant, wo wir das erste mal Khinkali aßen. Gedünstete Nudelteigtaschen, die es mit verschiedenen Füllungen gibt. An der belebten Strandpromenade schillern abends sämtliche Gebäude in bunten Neonlichtern. Für umgerechnet etwa 1,50 Euro kann man mit dem Riesenrad direkt am Meer fahren. So günstig, dass wir gleich zwei mal mitfuhren. Einmal bei Tageslicht und einmal im Dunkeln. Ganz in der Nähe steht eine interessante Skulptur. Zwei stählerne Figuren, Mann und Frau, drehen sich zunächst von einander weg, um sich wenig später für einen Kuss zu treffen und schließlich miteinander zu verschmelzen.

Das wuselige Treiben auf den Straßen Batumis war für zwei Tage wirklich ganz amüsant. Aber das hat uns dann ehrlich gesagt auch schon gereicht. Wir waren schließlich hauptsächlich wegen der Natur in Georgien. Nodari, unser Autovermieter, den uns Kathi und Hermann von buntumdiewelt.de empfohlen haben, brachte uns unseren 4×4-Geländewagen. Wenn man in Georgien selbst fahren will, braucht man auf jeden Fall einen Allradantrieb. Die Straßen gleichen außerhalb größerer Ortschaften eher Sturzäckern. ⠀

Batumi war wirklich sehenswert und wirklich jeder, mit dem wir hier zu tun hatten, hieß uns mit Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und einem Lächeln herzlich Willkommen in Georgien.