Kruger Nationalpark

Eine Woche im Kruger Nationalpark

Inhaltsverzeichnis

Die erste Panne am Auto

Regen! Nichts als Regen im. Er kam auf der Fahrt vom Mokala in den Nord-Osten des Landes und er blieb auch nach Ankunft im Kruger Nationalpark. Es schien überall heftige Wolkenbrüche zu geben. Sogar in der Kalahari regnete es. In den Nachrichten sahen wir, wie in Upington Menschen in den Straßen schwammen. Upington, die Stadt, in der wir noch vor einigen Tagen waren, ist einer der trockensten Orte Südafrikas, der nun von Regenmassen überflutet wurde. Wie jetzt wohl die Augrabies Falls ausgesehen haben müssen?!

Es regnete ununterbrochen. Die gesamten sechs Stunden Fahrt nach Vanderbijlpark. Hier verbrachten wir nur eine Nacht, da die Strecke zu unserem eigentlichen Ziel, in einem Stück doch zu anstrengend gewesen wäre. Am nächsten Tag folgten weitere sechs Stunden auf den Nationalstraßen Südafrikas. Selbstverständlich weiterhin begleitet von Regen. Nicht nur das Wetter schien nicht auf unserer Seite zu sein. Zu allem Überfluss schleuderte uns in einer Baustelle ein entgegenkommender Pick-Up-Truck einen Stein entgegen, der einen circa fünf Zentimeter langen Riss in die Frontscheibe zauberte.

Ein Stückchen Spreewald in Südafrika

Am späten Nachmittag erreichten wir den Marloth Park, ein kleines privates Naturschutzgebiet, vor den Toren des Kruger Nationalparks. Von hier aus, wollten wir in den nächsten Tagen unsere Pirschfahrten starten. Der Park wurde nach Hermann Wilhelm Rudolf Marloth benannt, einem aus Lübben im Spreewald stammenden Botaniker, der in den 1880er Jahren nach Südafrika auswanderte und mehrere naturwissenschaftliche Werke über Südafrikas Pflanzenwelt verfasste. Ironischerweise erinnerten die vom Regen durchtränkten Matschstraßen des Marloth Parks an die unzähligen Kanäle im Spreewald.

Unsere Unterkunft außerhalb des Kruger Nationalparks

Absolute Empfehlung: Ama-Zing African Safari Lodge

Der Marloth Park

Marloth Park Südafrika Kruger Nationalpark
Marloth Park – Giraffe im Vorgarten

Im Marloth Park befinden sich zahlreiche Ferieneinrichtungen, wie die unsere. Die privat geführte Gemeinschaftsunterkunft “Ama-Zing Safaris” wird von der liebenswerten Ansie geleitet. Wir fühlten uns hier familiär aufgenommen und wurden direkt zum Braai eingeladen. Braai nennen die Südafrikaner ihre Leidenschaft für das Grillen, mit allem, was dazu gehört. Hier gab es sogar eine selbst gemachte Broschüre “How to Braai”. Leider machte uns der Regen einen Strich durch die Rechnung. Selbst bei denn eingefleischtesten Braai-Fans, bleibt bei Dauerregen der Grill kalt.

Safari im Vorgarten

Dafür erhielten wir jeden Morgen gratis Frühstück. Liebevoll und selbst zubereitet von Ansie. Nachdem wir uns gestärkt hatten, stiegen wir trotz des immer noch währenden Regens ins Auto und machten uns auf den Weg in den Kruger Nationalpark. Was wir nicht ahnten: Die Safari begann direkt vor der Haustür. Der Marloth Park beherbergt neben vielen Feriengästen, auch zahlreiche tierische Bewohner.

So staunten wir nicht schlecht, als auf einmal im Vorgarten des Nachbargrundstücks drei Giraffen frühstückten und in der Einfahrt ein Warzenschwein aufgeschreckt in unsere Richtung starrte. Auf dem Weg zum Haupttor hatten wir dann noch eine Begegnung mit Impalas. Es regnete übrigens immer noch.

Löwe verursacht Stau

Vom Marloth Park bis zum Crocodiles Bridge Gate, einem der Eingangstore zum Kuger Nationalpark, sind es etwa 17 Kilometer. Da waren wir nun. Im größten und wohl populärsten Nationalpark Südafrikas. Mit seinen 19.624 Quadratkilometern ist er fast so groß wie das Bundesland Rheinland-Pfalz. In den ersten Tagen hatten wir uns vorgenommen, den Südosten zu erkunden. Was uns auf einer der Hauptstraßen des Parks direkt auffiel: Wir waren bei Weitem nicht mehr so “ungestört”, wie beispielsweise im Mokala.

“Stau im Nationalpark ?”

Schon aus der Ferne sahen wir einen gewaltigen Knoten aus kreuz und quer stehenden Fahrzeugen. Wären wir nicht in einem Safari-Park gewesen, hätten wir es für eine Massenkarambolage gehalten. Von beiden Seiten staute es sich. Immer wieder versuchten sich große Geländewagen und kleinere Autos in gewagten Rückwärtsmanövern, möglichst dicht an eine Stelle am rechten Straßenrand zu quetschen. Dabei schien es einigen völlig egal zu sein, sich anderen komplett in die Sicht zu stellen.

Nach und nach wurden kleinere Lücken frei, in der nun auch wir das Objekt der Begierde zu Gesicht bekamen. Etwas abseits der Straße lag ein pitschnasser Löwe, der das Spektakel auf der Straße erstaunlich gelassen beobachtete. Ach ja, haben wir erwähnt, dass es immer noch regnete? Mal davon abgesehen, dass wir dieses wunderschöne Tier beobachten konnten, fanden wir es irgendwie alles andere als toll, wie wir hier bedrängt von Dutzenden wild rangierenden Autos, quasi mitten im Stau standen. Genießen, konnten wir das jedenfalls nicht. Nicht mal ein Foto gelang uns.

Löwen, die Zweite

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Drei Löwinnen im Kruger Nationalpark

Die asphaltierte Hauptstraße war uns eindeutig zu voll. Also entschieden wir uns, bei der nächsten Gelegenheit, in eine der vielen Seitenstraßen abzubiegen. Und siehe da: Schwupps waren wir alleine! Das ist wohl einer der größten Stärken das Krugers. Obwohl er so gut besucht ist, verläuft es sich aufgrund seiner enormen Ausmaße tatsächlich doch und man kann durchaus ungestörte Momente verbringen.

So verflog der anfängliche Schock doch recht schnell. Spätestens dann, als wir diesmal auf nur einen Geländewagen stießen, der am Straßenrand halt gemacht hatte. Ein sehr freundlicher Engländer wies uns direkt auf seine Sichtung hin. Neben einem Busch lagen drei tiefenentspannte Löwinnen. Genau so hatten wir uns das vorgestellt. Ruhe, keine Hektik und einfach entspannt beobachten, wie die drei Damen sich gegenseitig putzten und sich dann wieder faul auf die Seite fallen ließen.

Tipp: Holt euch unbedingt ein Tierbestimmungsheft für den Kruger Nationalpark.

• mit Karte vom gesamten Kruger Nationalpark (alle Wege & Camps)
• Tier- und Vogelchecklisten
• Spurentabelle
• interessante Aktivitäten
• und vieles mehr

Tierbestimmungsheft vom Kruger Nationalpark in Südafrika
Tierbestimmungsheft vom Kruger Nationalpark


Trotz des Regens, der mal als starker Schauer, mal als Niesel herunter kam, aber nie ganz aufhörte, hatten wir eine Menge Tiersichtungen. Am Crocodiles Brigde Gate hatten wir uns eine Karte für den Kruger mit Bestimmungsstabellen und dazugehörigen Bildern gekauft. Wir hatten damit einen Heidenspaß. Sofort nachdem das gesichtete Tier mit der Kamera festgehalten war, wurde akribisch nach dem Namen recherchiert. Es gab zum Beispiel eine Menge interessanter Vögel zu bestimmen, wie den Sattelstorch, der von Weitem aussieht, als hätte man ihm seinen großen Schnabel zugeklebt.


Außerdem identifizierten wir Gelb- und Rotschnabeltukos, Ohren- und Weißrückengeier und Bienenfresser. Besonders schön fanden wir auch den allgegenwärtigen Glanzstar. Er ist so etwas, wie die Taube Afrikas, also nicht wirklich selten. Allerdings schimmert der sonst eher schlichte Vogel im richtigen Licht, wie eine Ölpfütze. Seine leuchtend orangenen Augen stechen dann noch mehr hervor.

Dünnhäutig bei Dickhäutern

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Komm den Elefanten nicht zu nah !

Man kennt ja inzwischen Horrorvideos, in denen zornige Elefantenbullen tonnenschwere Geländewagen vor sich her rollen, als wären es Gymnastikbälle. Nicht nur deshalb haben wir einen Heidenrespekt vor den Dickhäutern. Wenn so ein Koloss schließlich nur zwei Meter neben dir im Dickicht auftaucht, rutscht einem dann doch schon mal das Herz in die Hose. In einer Situation fuhren zwei weitere Fahrzeuge vor uns und für unseren Geschmack einem Elefantenbullen viel zu dicht auf. Der Elefant sah das anscheinend genauso, stoppte, drehte sich um 180 Grad und machte eindeutige Drohgebärden, die den Fahrer des ersten Wagens in den Rückwärtsgang zwangen.

Als würde das nicht reichen, tauchte plötzlich ein weiterer grauer Riese rechts hinter uns auf und steuerte auf die Straße zu. Im letzten Moment entschieden wir uns rückwärts an ihm vorbei zu fahren, bevor er die Straße erreichte. Anderenfalls wären wir eingekesselt gewesen. Vor uns zwei Autos und ein wütender Elefant und hinter uns ein Elefant, der alle Zeit der Welt gehabt hätte, sich zu überlegen, ob er unser Gefährt cool findet oder nicht. Von unserem gewagten, aber notwendigen Manöver, war er sichtlich angepisst. Zum Glück beruhigte er sich aber schnell wieder und setzte seinen Weg auf die Straße fort.

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Elefant im Kruger Nationalpark

Vielleicht waren wir in dieser Situation ein wenig zu panisch, denn der Elefant wechselte lediglich die Straßenseite, um dann genüsslich weiter zu fressen. Es hätte aber auch alles anders kommen können und wir wären womöglich das nächste Horrorvideo auf YouTube geworden.

Schauer mit Aussicht auf Starkregen

Den nächsten Tag verbrachten wir komplett in unserer Unterkunft im Marloth Park. Erneut fiel das Braai buchstäblich ins Wasser. Denn, drei Mal dürft ihr raten: Es regnete immer noch. Keine Frage, es war gut, dass es regnete. Die Regensaison in Südafrika, war so gut wie ausgefallen. In etlichen Gebieten war es über Monate viel zu trocken, sodass Trinkwasser knapp wurde. Ansie erzählte uns, dass das Thermometer in der Woche bevor wir ankamen, auf fast 50 °C geklettert war. Nun regnete es jedoch so viel, wie seit drei Jahren nicht mehr und Flora und Fauna konnten wieder aufatmen.

Unsere Unterkunft außerhalb des Kruger Nationalparks

Absolute Empfehlung: Ama-Zing African Safari Lodge

Das fiel auch direkt ins Auge. Von Fotos kannten wir den Kruger meist mit ganz vielen Gelbtönen. Selbst auf Bildern mit vielen grünen Bäumen war zumindest das Gras auf dem Boden meist trocken gelblich. Nun gab es jedoch nichts als saftiges Grün, wohin das Auge reichte. Weit und breit kein Gelb mehr. Nichtsdestotrotz konnten wir nicht leugnen, dass der Dauerregen uns langsam aufs Gemüt drückte. Das Grau in grau und dass es nie so richtig hell wurde, nagten an der Stimmung.

“Unser Auto steckt voller Überraschungen”

Auch die nächsten Tage boten kein anderes Bild. Trotzdem wollten wir wieder in den Kruger Park! Gerade als wir ins Auto steigen wollten, fiel uns auf, dass die Karosseriefront irgendwie etwas nackt aussah. Das Nummernschild war weg! Am Tag zuvor mussten wir an mehreren Stellen, wo Bachläufe die Straßen kreuzten, durch teilweise knietiefes Wasser fahren. Dabei muss sich das Nummernschild gelöst haben und war nun auf Nimmerwiedersehen flussabwärts unterwegs.

Nach dem Riss in der Windschutzscheibe, der übrigens von Tag zu Tag etwas wuchs, war dies die nächste Überraschung, die unserer Mietwagen für uns bereit hielt. Egal, auf in den Kruger! Diesmal nahmen wir das Malelane Tor. Denn wir verließen den Marlothpark und machten uns auf den Weg zu unserer ersten Bleibe direkt im Kruger Nationalpark – Dem Pretoriuskop Rest Camp.

Gehörnter Höhepunkt gleich zu Beginn


Keine zwanzig Minuten waren wir unterwegs, als der erste Lichtblick unsere regengetrübte Stimmung schlagartig aufhellte. Direkt am Straßenrand trafen wir auf eine Nashornfamilie. Mama und Papa waren glücklicherweise tiefenentspannt und grasten in aller Ruhe. Das Jungtier war offensichtlich kein Frühaufsteher und kämpfte damit wach zu bleiben, während es, nicht weit entfernt von uns, müde im Gras lag. Wir waren ganz aus dem Häuschen, ein Babynashorn in freier Natur gesehen haben zu dürfen. Ein wahres Geschenk, wenn man bedenkt, dass Wilderei diese faszinierenden Geschöpfe stark in ihrer Existenz bedroht.

Kleine Impala-Kunde


Auf der weiteren Fahrt zum Pretoriuskop Rest Camp sahen wir unzählige Impalas, die aufgeregt hin und her über die Straße hüpften. Diese eleganten kleinen Antilopen wirken verspielt, sind jedoch jeder Zeit aufmerksam und auf der Hut vor ihren zahlreichen Fressfeinden. Das müssen sie auch. Leoparden, Geparden, Hyänen, Schakale und Wildhunde bilden eine permanente Bedrohung für sie. Auffällig waren die vielen Jungtiere in den Herden, die zu dieser Jahreszeit dreißig Tiere und mehr umfassten. Aber klar, es war schließlich Frühling in Südafrika, sodass nun viele Tiere mit ihrem Nachwuchs unterwegs waren.

Info: Wir waren Mitte Dezember, zur Hauptsaison im Kruger Nationalpark. In den Sommermonaten in Südafrika erblicken viele Tierbabys das Licht der Welt.

Ein Neugeborenes kann nach dreißig Minuten stehen, nach einer Stunde sogar relativ problemlos laufen. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie lang Menschenkinder in Kinderwagen umher geschoben werden müssen. Ihr ganzes Leben ist also von Anfang an auf Flucht eingestellt. Und darin sind sie extrem gut. Um sich einen besseren Überblick über die Umgebung zu verschaffen, springen sie manchmal sogar in die Luft. Erblickt ein Impala einen Feind, gibt es mehrere Varianten die restliche Herde zu warnen. Zum einen wird der Schwanz nach oben geklappt, dessen Unterseite mit weißem Fell, wie eine Art Signalleuchte funktioniert. Außerdem wird ein kurzer kräftiger Warnruf ausgestoßen, worauf alle Tiere in verschiedene Richtungen auseinander stürmen. Danach geht es mit einem Affenzahn im Zickzack auf und davon. Bis zu 60 km/h erreichen sie dabei.

Der “merkwürdige” Freund eines Impalas

Übrigens haben Impalas “Freunde”. Der Madenpicker säubert nicht nur das Fell von Parasiten, sondern verpfeift auch noch Räuber, die sich aus dem Hinterhalt anschleichen. Allerdings verursacht dieser Vogel durch sein ständiges Picken, gleichzeitig Wunden, die er absichtlich offen hält, um sich vom Wundbrand zu ernähren.

Oh du hübscher Kudu du!

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Südafrikanischer Kudu

Kurz vor unserem Ziel sahen wir noch einen Imposanten Kudu-Bullen. Kudus zählen nach den Elenantilopen zu den größten Antilopen und für uns auf jeden Fall zu den hübschesten. Das Fell ist in einem vornehmen Graubraun gehalten, das mit feinen weißen Streifen durchsetzt ist. Als würden sie einen italienischen Maßanzug mit Nadelstreifen tragen. Ihre großen Löffelohren lauschen stets aufmerksam in die Umgebung. Zwischen den hübschen großen Augen verläuft ein breiter weißer Balken, der wie ein professionelles Make-Up wirkt.

Die bis zu 105 Zentimeter langen Hörner der Bullen bilden wunderschön geschwungene Schrauben. Blickt man von oben in die bis zu dreifache Windung eines Kudu-Horns hinein, kann man wie durch eine Röhre, ohne jegliche Hindernisse, direkt bis ganz nach unten hindurch schauen.

Da er in fast allen Nationalparks Südafrikas zu Hause ist, ist der Kudu im Logo der SANParks wieder zu finden.

Im Pretoriuskop Rest Camp bezogen wir eine der vielen kleinen Selbstversorgerhütten mit eigenem Bad. Gekocht wurde in Gemeinschaftsküchen, die auf dem Gelände verteilt waren. Generell hatte man hier alles was, man brauchte. Einen Supermarkt, eine Tankstelle, sogar ein Fastfoodrestaurant gab es hier. Abends wurden im großen Freiluftkino Tierdokus über Afrika gezeigt. Angeboten wurden hier unter anderem auch Nachtsafaris, Fahrten bei Sonnenauf- und -untergang und sogar einen Morgenspaziergang. Das ließen wir uns nicht entgehen.

Überlebenswichtige Belehrung

Treffpunkt war 3:45 Uhr an der Tankstelle. Harter Tobak um diese Uhrzeit, aber man wollte schließlich bei Sonnenaufgang mit dem Spaziergang beginnen. Wir fuhren etwa eine halbe Stunde, als wir schließlich am Straßenrand hielten. Die beiden Guides griffen hinter ihre Sitze nach zwei länglichen Taschen, die im Inneren zwei Jagdgewehre offenbarten. Nun wurden wir angewiesen, aus dem Safari-Truck zu steigen.

Es folgte eine detaillierte Belehrung, die uns tatsächlich etwas Angst einjagte. Natürlich wussten wir, dass wir hier mitten in der Wildnis standen und trotz aller Erfahrung unserer Begleiter keine Sicherheitsgarantie existierte. Wilde und speziell gefährliche Tiere sind unberechenbar. Punkt. Das wussten wir und stand außer Frage. Aber die wetterbedingten besonderen Umstände, verunsicherten uns dann doch. Zwar regnete es das erste Mal seit Tagen nicht, dafür hingen dicke Nebelschwaden über dem Land. Durch den Dauerregen der letzten Tage gestaltete sich die Situation unübersichtlich.

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Morning Walk im Kruger Nationalpark

“Wir haben etwas Nebel und der Busch ist dicht. Gut für die Tiere, schlecht für uns Guides.”, erklärte uns der Ältere von den beiden. “Es kann zum Beispiel passieren, dass wir hinter dichtem Blattwerk von einem Büffel überrascht werden. In den meisten Fällen greifen sie dann an.” Okay! Das war beunruhigend. Er fuhr fort: “Doch was ihr auch tut, lauft keines Falls weg. Die meisten Tiere sind eh schneller als ihr. Weglaufen animiert aggressive Tiere, euch erst recht zu jagen. Kommen wir versehentlich einem Tier zu nah, drehen wir auf unser Zeichen auf der Stelle um und entfernen uns zügig, aber nicht rennend.” Als letzter Weg, waren die Gewehre inzwischen geladen und entsichert.

Die Natur lesen

Oder: Wie Kot einem das Leben retten kann

Es ging los. Hinein in den Busch. Wir durften keinen Mucks von uns geben. Kommunikation erfolgte durch Hand- und Klopfzeichen oder wenn ein Guide es erlaubte. Jedes noch so unscheinbare Indiz, jedes kleinste Geräusch waren wichtige Informationen für unsere Guides, um bestimmen zu können, welche Tiere sich in unserer Nähe aufhielten oder aufgehalten haben. Frisch abgerissene Blätter auf dem Boden, deuteten darauf hin, dass Elefanten hier gefressen hatten. Abdrücke im feuchten Boden, verrieten unseren Guides, dass eine Giraffe vor wenigen Stunden hier entlang spazierte. Umgeknickte Grashalme und abgeknickte Äste, war ein Hinweis, dass ein schweres Tier vor unserer Ankunft von Norden nach Süden den Weg überquerte. Wahrscheinlich ein Nashorn, oder ein Flusspferd.

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Plötzlich stand da ein Elefant

Ein paar Meter weiter, gab es den nächsten wichtigen Anhaltspunkt. Exkremente! Vor wenigen Minuten erleichterte sich hier ein Elefant. Es war also höchste Vorsicht geboten. Und wie sich heraus stellte, lagen unsere Guides goldrichtig! Plötzlich hielten sie inne und gaben das Handzeichen zum sofortigen Umkehren. Mehrere Elefanten waren, zunächst nicht sichtbar, einige Meter vor uns im Dickicht. Erst als wir einen großen Bogen um sie machten, konnten wir sie aus sicherer Entfernung schließlich zwischen den Bäumen sehen. Viel Zeit für Fotos blieb uns nicht, da sich die Dickhäuter erstaunlich schnell bewegten. Ein Elefantenschritt in unsere Richtung bedeuteten wieder ein einhalb Meter weniger Abstand. Der erste Herzschlag-Moment war überstanden.

Krieg im Kruger

Im Gras lag ein großes graues Etwas. Was zunächst undefinierbar erschien, entpuppte sich nach Begutachtung der Guides als Hautlappen eines Nashorns. Hyänen mussten es hierher verschleppt haben, da in der näheren Umgebung keine weiteren Teile des Tiers zu sehen waren. Ob das Nashorn durch natürliche Feinde oder durch die Hand von Wilderern gestorben war, lies sich an diesem Körperteil nicht nachvollziehen. Wilderer kommen meist über die Grenze zu Mosambik in den Kruger Nationalpark. Oft sind es gut ausgebildete und schwer bewaffnete Ex-Soldaten.

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Hautlappen eines Nashorns

Nicht umsonst kümmert sich seit 2011 die südafrikanische Armee um den Kampf gegen die Wilderei. Tatsächlich herrschen vor allem Nachts in manchen Gebieten kriegsähnliche Zustände, wo sich Wilderer mit Soldaten wilde Feuergefechte liefern. Teilweise sogar mit Handgranaten. Kleinflugzeuge und vollautomatische Drohnen, ausgestattet mit Kameras und modernster Software, überwachen Teile des Nationalparks und machen Nashörner und deren Bedrohungen ausfindig. Trotz dieser teils drastischen Maßnahmen, sterben in Südafrika weiterhin zwei Nashörner pro Tag. Für eine flächendeckende Überwachung ist der Kruger einfach zu groß.

Galopp durch Mark und Bein

Unser Morgenspaziergang hielt noch eine weitere Überraschung für uns parat. Eine Situation, die man im Nachhinein nur damit beschreiben konnte, dass wir großes Glück hatten. Es trat nämlich genau der Fall ein, vor dem unsere Guides selbst am meisten Angst hatten. Keine zehn Meter vor uns entdeckten sie viel zu spät eine Hand voll afrikanischer Büffel.

Zur Erinnerung: Wenn man sie überrascht greifen sie in der Regel an. Hektisch gab der ältere Guide das Handzeichen und wir traten auf der Stelle den Rückzug an. Dem Himmel sei Dank, entschieden sich die Büffel nicht für einen Angriff und traten stattdessen die Flucht an. Das donnernde Galopp der bis zu 900 Kilogramm schweren Tiere lies den Boden vibireren und ging durch Mark und Bein.

Aber das war noch nicht alles

Auf ihrer Flucht schreckten sie eine weitere Gruppe von Elefanten auf, die wild trompetend ihren Unmut darüber äußerten. Auch sie waren vielleicht gerade einmal fünfzehn Meter von uns entfernt. So nah wollten wir den beiden Vertretern der Big Five nun wirklich nicht kommen. “Das Gute daran ist, dass wir jetzt wissen, dass dort auch Elefanten sind.”, stellte einer der Guides sichtlich erleichtert fest. Dieser zweite Schreckmoment an diesem Morgen, war definitiv heftiger als der erste.

Nachdem wir die Elefanten weiträumig umgehen konnten. gab es für uns ein Buschfrühstück. Während die Guides die Umgebung im Auge behielten, aßen wir Cracker mit Käse, Schokoriegel und Biltong , eine südafrikanische Trockenfleisch-Spezialität. Es besteht entweder aus Rind- oder Wildfleisch. Man kann es überall in Südafrika kaufen. In den Shops des Nationalparks gab es auch Varianten vom Kudu, Strauß, Springbock und anderen afrikanischen Wildtieren.

Superflauschig und knopfaugig

Das Wetter besserte sich. Tatsächlich sahen wir nach etlichen Tagen das erste Mal wieder Sonne und blauen Himmel. Und das obwohl der Tag grau und neblig begonnen hatte. Als ob es an diesem Morgen nicht schon gereicht hätte, hatte der Tag noch viel mehr Aufregung für uns in petto. Glücklicherweise diesmal nicht erschreckend und im sicheren Auto. Wusstest du, dass Hyänen auch echt niedlich sein können? Als Welpen schon! Ausgewachsene Hyänen sehen oft eher fies aus und durch ihre merkwürdig gebeugte Körperhaltung auch irgendwie hinterhältig.


Disney hat mit “Der König der Löwen” natürlich auch einiges dazu beigetragen, dass man diese Raubtiere nicht unbedingt sympathisch findet. Aber nachdem wir einen Bau mit zwei Jungtieren direkt neben der Straße entdeckt hatten, wurden wir eines besseren belehrt. Superflauschig und knopfaugig sind wohl die passensten Worte für diese niedlichen Kerlchen.

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Nilpferd beim baden

Später trafen wir noch auf ein Nilpferd, das wenige Meter neben uns in einem Wasserbassin vor sich hin döste. Unser Hauptaugenmerk im weiteren Tagesverlauf, lag aber auf etwas anderem. Vier der Big Five hatten wir inzwischen gesehen. Löwe, Elefant, Nashorn und Büffel. Das verbliebene fünfte Mitglied machte sich jedoch weiterhin rar – Der Leopard.

Fünf von fünf

Jeder Baum wurde genauestens abgesucht. Nicht selten spielten uns Sonnenstrahlen, die durch die Blätter hindurch ein gepunktetes Muster auf die Äste malten, einen optischen Streich. “Halt an! Nee, sorry, wieder nur ein Ast …” Es ist erstaunlich, wie anstrengend so eine Safari ist. Man ist unentwegt aufmerksam und angespannt. Bei jedem Konzentrationseinbruch hatte man sofort das Gefühl etwas verpasst zu haben. Und trotz höchster Konzentration haben wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit viele Tiere trotzdem glatt übersehen. Sei es, weil sie zu weit weg waren oder zu gut getarnt oder einfach zu klein.

Ein Vorteil beim gut besuchten Kruger Nationalpark …

Wir müssen ehrlich sein. Einige der Sichtungen hätten wir allein definitiv erst gar nicht gehabt, hätten uns nicht andere Parkbesucher darauf hingewiesen. Irgendwann ist man aber auch einfach zu erschöpft und konzentriert sich einfach nur noch auf die Straße. Ziemlich müde waren wir eigentlich schon auf dem Rückweg in unser Camp, als wir auf drei Fahrzeuge trafen, die am rechten Straßenrand standen.

Wir hielten neben dem ersten. Es folgte die obligatorische Frage durch das herunter gelassene Fenster: “Habt ihr etwas entdeckt?” Zwei Südafrikanerinnen aus dem anderen Wagen antworteten: “Ja. Ein Leopard!” Unsere zuletzt eingetretene Lethargie war schlagartig verpufft. Als hätte man einer Kindergartengruppe eine Tonne Süßigkeiten vor die Füße gekippt, richteten wir aufgeregt unser Auto in Richtung des Objekts der Begierde aus und zückten die Kamera. “Siehst du ihn?” “Nee, du?” Keiner von uns konnte ihn entdecken. Wir mussten noch zwei Mal bei den Südafrikanerinnen nachfragen, wo genau die Großkatze denn nun lag.

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Na, siehst du den Leoparden ?!

Dann endlich: “DA! ICH SEH’ IHN!” Unfassbar gut getarnt lag er mit dem Rücken zu uns gerichtet auf einem der unteren Äste eines Baumes. Kein Wunder also, dass dieses wunderschöne Mitglied der Big Five mit Abstand am schwersten zu sichten war. Sein markant gemustertes Fell wurde eins mit den vielen Blättern und Zweigen, die ihn umgaben. Nach ein paar Minuten raffte er sich auf, streckte sich ausgiebig und verschwand schließlich im Dickicht. Was für ein Erlebnis! Und das, obwohl er so weit weg von uns und wirklich schwer zu sehen war.

Das Bestimmungsbuch immer parat

Nach einer weiteren Nacht im Pretoriuskop Rest Camp, ging es weiter zum Skukuza Camp, dem größten im gesamten Kruger Nationalpark. Eigentlich ist es wir eine kleine Stadt. Die vielen Unterkünfte und Einrichtungen für Touristen waren umgeben von einem Angestelltendorf. Für die Mitarbeiter gab es hier neben Wohnhäusern, sogar eine Schule für deren Kinder und eine Kirche. Von hier aus ging es, wie konnte es anders sein, wieder auf die Pirsch, das Bestimmungsbuch selbstverständlich immer im Anschlag: “Guck mal der da! Haben wir den schon gesehen?” Nach einem kurzen Blättern und einem kurzen Blick-Tennis von Buch zu Tier und wieder zurück, folgte meist Gewissheit und eine fachmännische Schlussfolgerung. Wir hatten unsere erste Begegnung mit Wasserböcken. Diese Antilopen haben einen weißen Kreis auf dem Hintern, der an eine Zielscheibe erinnert.

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Wasserbock Kruger Nationalpark

Weiter ging unsere Bestimmungs-Memory. Quietschbunte Vögel waren überall unterwegs, wie zum Beispiel die Gabelracke mit rosa Brustgefieder, hellblauem Rücken und marineblauen Flügeln.Wunderschön – Besten Dank Seite 24! Auch der Senegalliest stach heraus, mit seinem knallroten Schnabel und eisblauen Gefieder an Flügeln, Schwanz und Rücken. Auf einem Ast sahen wir ein Pärchen Trompeterhornvögel. Diese Nashornvögel haben einen gewaltigen Schnabel, da ihn ein großer Aufsatz ziert, der bei manchen Exemplaren sogar über die Schnabellänge hinausragen kann. Das Weibchen verbringt bis zu drei Monate, in einer mit Lehm zugemauerten Baumhöhle, mit der Aufzucht des Nachwuchses und wird vom Männchen versorgt. Da beide jedoch gerade “Freigang” hatten, hatte dieses Pärchen also zu Zeit keine Küken.


Das Bestimmungsbuch kam bei den über 500 im Kruger Park heimischen Vogelarten an seine Grenzen. Viele Namen der gesichteten Flattermänner blieben uns ein Rätsel. Auf unserer weiteren Fahrt sahen wir noch Zebras, Giraffen, Paviane und natürlich unzählige Impalas. Übrigens gibt es in allen Camps Sichtungstafeln, auf denen Orte markiert werden, an denen die Big Five und andere seltene Tiere, wie Geparden und afrikanische Wildhunde, zuletzt gesichtet wurden. Eine unserer Hauptbeschäftigungen war es also, die markierten Punkte abzufahren. Leider nicht oft von Erfolg gekrönt, da nie gewiss war, wie lange die Entdeckungen schon zurück lagen.


Morgenpirsch im Kruger Nationalpark

– “Ich bremse nicht für Tiere”

Die nächste Unterkunft auf unserer Route durch den Kruger Park, wurde das Satara Rest Camp. Alle Camps haben festgelegte nach Jahreszeit variierende Öffnungs- und Schließzeiten. Es kam schon manchmal vor, dass wir uns nur schwer von einigen Tieren losreißen konnten und so teilweise unter Zeitdruck gerieten. Einmal legten wir sogar drei Minuten vor Torschluss eine echte Punktlandung hin. Um den Park auch außerhalb der Schließzeiten der Camp-Tore und abseits der Selbstfahrerstrecken erkunden zu können, wurden auch im Satara verschiedene Möglichkeiten angeboten. Fahrten und Spaziergänge zum Sonnenauf- und -untergang und geführte Tag- und Nachtsafaris.

Tipp: Erkundige dich vorab auf der Sanparks-Seite, welche Touren angeboten werden. Diese kannst du direkt Online buchen. Oder Frag vor Ort in deinem Camp nach.

Wir entschieden uns für eine Morgenpirschfahrt zum Sonnenaufgang. Wieder hieß es extrem früh aufstehen, um in aller Herrgottsfrüh in einen Safaritruck zu steigen. Der umgebaute LKW hatte Sitzplätze für etwa 30 Personen. Wir waren allerdings nur zu viert. Nicht nur deswegen hätten wir uns ein kleineres Gefährt gewünscht, denn gleich zu Beginn fragten wir uns, wie wir bei dem ohrenbetäubenden Krach, den die Kiste machte, überhaupt Tiere zu Gesicht bekommen sollten. Der hämmernde Dieselmotor würde doch alles im Umkreis von Kilometern verscheuchen. So schien es zunächst auch.

Eigentlich sind die Morgenstunden bei den meisten jagenden Tieren die aktivsten und so erhofften wir uns, vielleicht auf Großkatzen oder Hyänen zu stoßen. Aber es tat sich lange rein gar nichts. Die Lichtkegel der Strahler, die wir kurz vor dem Start bekamen, leuchteten ins dunkle Nichts. Warum auch immer, fing unserer Fahrer an, immer schneller zu fahren – Ja, regelrecht zu rasen. Das machte es noch herausfordernder, überhaupt ein Tier zu entdecken und zudem auch unangenehm, auf den von Schlaglöchern übersäten Schotterstraßen.

Unser Fahrer hatte es anscheinen eilig

Schließlich doch ein Treffer! Wir entdeckten ein niedliches Eulenpärchen, dicht aneinandergekuschelt, direkt an der Straße auf einem Baum sitzen. Doch trotz Rufen und Handzeichen, donnerte unser Fahrer weiter über die Piste. Später sahen wir sogar, dass er mehr mit seinem Smartphone beschäftigt war, als mit der Pirsch. Was für eine Enttäuschung! Nach ein paar Minuten wendete er plötzlich und fuhr weiterhin viel zu schnell dieselbe Strecke wieder zurück. Immerhin dämmerte es inzwischen und wir sahen weitere Tiere. Einen Schakal und eine Hyäne. Zwar nicht bei der Jagd, aber immerhin! Doch auch hier fühlten wir uns gehetzt beim Fotografieren. Es gelangen nur ein paar verschwommene Bilder, bevor die Raserei weiterging.

Wir erreichten die asphaltierte Hauptstraße, die sich nun als reines Balsam nach einem unerwünschten Schleudergang erwies. Der Lastwagen stoppte. Nun erfuhren wir den Grund für das ganze nervige Gehetze. Es stellte sich heraus, dass unser Fahrer mit den beiden anderen Besuchern am Vortag bereits eine Tagsafari gemacht hatte. Deren größter Wunsch war es, vor ihrer Abreise noch Löwen zu sehen. Er erhielt unterwegs eine Nachricht von anderen Guides, wo es an diesem Morgen eine Sichtung gab und gab Gas.

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Löwin – Sichtung beim Morning Drive

Eigentlich ein netter Zug von ihm, denn wir sahen tatsächlich eine Löwin. Weit weg und mit dem Rücken zu uns gekehrt, aber den Wunsch unserer Begleiter hat er somit erfüllt. Doch was hätte er getan, wenn der LKW voll besetzt gewesen wäre und jemand eine spezielle Bitte gehabt hätte? Uns fragte jedenfalls niemand, was wir gerne sehen wollten. Die Eulen zum Beispiel oder die Hyäne – Für mehr als 30 Sekunden. Wirklich Schade. Fazit: Rundum unzufrieden.

Gruselige Vögel und kacksüßer Welpe

Wir ließen uns die Laune nicht verderben und zogen erneut auf eigene Faust los. Was in diesem Teil des Kruger Nationalparks auffällig war: Das teilweise sehr dichte Buschland war nun weiten Steppen gewichen. Man konnte hier wieder in die Ferne blicken und wir merkten, wie sehr wir das vermisst hatten. Hier dominierten eindeutig größere Herden von Giraffen, Büffeln und besonders Elefanten. Noch nie vorher hatten wir so viele Dickhäuter auf einem Fleck gesehen. Es schien wie ein Generationentreffen. Elefanten aller Altersklassen versammelten sich und bildeten eine gigantische Herde mit 50 Tieren oder mehr.

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Hornrabe im Kruger Nationalpark

Uns als Vogelliebhaber blieb auch der Hornrabe in Erinnerung. Der mit bis zu einem Meter Körperlänge relativ große Vogel hat ein schwarzes Federkleid und eine ungefiederte Hals- und Gesichtspartie, die scharlachrot leuchtet. Sein Aussehen erinnerte uns irgendwie an populäre Darstellungen von Pestärzten mit Schnabelmasken. Etwas gruselig, aber total faszinierend.


Beim Überqueren mehrerer Flüsse sahen wir Nilpferde und Krokodile. Warzenschweine mit Frischlingen ließen unsere Herzen höher schlagen und Büffel kamen uns sehr nah, als eine Herde die Straßenseite wechselte. Wir sahen einen Schabrackenschakal, der einen Vogel erlegt hatte und es sich schmecken lies und wenig später kamen wir noch einmal voll auf unsere Kosten, was Tierbabys anging. Wiederum ein Schabrackenschakal, aber eben ein ganz ganz kleiner, saß in bestem Abendlicht und erleichterte sich. Wir haben noch nie etwas so süß kacken gesehen. Und erneut stießen wir auf Hyänenwelpen.


Die hässlichen Fünf

Wie bereits erwähnt, sind Hyänen als Welpen total niedlich. Vor allem, wenn sie, wie in unserem Fall, irgendwie verliebt in unser linkes Vorderrad waren. Eine von ihnen kuschelte sich regelrecht an die Felge und kam uns somit näher, als jedes andere Raubtier auf all unseren Safaris. Auch hatten wir bereits festgestellt, dass erwachsene Hyänen in der Allgemeinheit nicht wirklich als hübsch angesehen werden. Doch wusstet ihr, dass es neben den Big Five auch die Ugly Five, also die fünf hässlichsten Tiere Afrikas, gibt und die Hyäne dazu gehört? Hierzu zählen Gnus, Warzenschweine, Marabus, Geier und eben Hyänen.


Wir persönlich finden gerade Warzenschweine überhaupt nicht hässlich. Das sei hiermit klargestellt. Wer uns mittlerweile etwas kennt, weiß: Wir lieben Schweine! Auch von Hyänen haben wir hier ein anderes Bild bekommen. Es gibt sicher auch hässlichere Tiere, als Gnus. Okay, Geier können schon echt unheimlich aussehen und sind optisch nicht jedermanns Sache. Doch der Marabu – Tja, der ist wirklich ziemlich hässlich. Dennoch hat er auf seine ganz eigene Art und Weise etwas total Liebenswertes. In der Familie der Störche zählt er zu den größten Vertretern. Mit einer Körperlänge von bis zu 152 Zentimeter und einer Spannweite von bemerkenswerten drei Metern, ist er tatsächlich riesig.

Was ihn so unansehnlich macht, ist sein fast kahler, nur mit ganz feinem Flaum bewachsener Hals- und Kopfbereich. Dazu kommt noch ein gigantischer Hautsack, der unter seinem klobigen Schnabel vor dem Hals baumelt – Manchmal sogar bis knapp über den Boden. Leider haben wir ihn, als einzigen der Ugly Five, nicht zu Gesicht bekommen und kennen ihn nur von Bildern aus dem Internet. Zu gern hätten wir ihn auch mit eigenen Augen beobachtet. Etwas so Hässliches, muss man einfach gesehen haben. Aber das war sicher nicht unsere letzte Safari.

Safarimüdigkeit – Gibt’s das überhaupt?

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Lepelle-Fluss – Aussicht vom Olifants Camp

Das Olifants Camp, hoch gelegen mit spektakulärem Blick auf den Lepelle-Fluss, war unsere letzte Station im Kruger. Wir erlebten hier einen der schönsten Sonnenuntergänge, die wir je gesehen hatten. Nach der enttäuschenden Morgenpirschfahrt im Satara Rest Camp, verzichteten wir auf weitere Angebote dieser Art und fuhren lieber wieder mit unserem eigenen Mietwagen in die Wildnis.

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Sonnenuntergang im Kruger Nationalpark – Olifants Camp

Unsere letzten Safari-Tage in Südafrika verliefen allerdings ohne außergewöhnliche oder neue Sichtungen. Man muss auch ehrlich sagen, dass man mit der Zeit abstumpft. Der erste Elefant wird noch euphorisch, bei schlechten Licht und halb hinter einem Baum versteckt, millionenfach aus dem selben Winkel fotografiert, während man beim hundertsten die Kamera nicht mal mehr einschaltet.

Auch von Giraffen- und Antilopenbildern waren wir vorerst befriedigt. Aber wir merkten natürlich auch, dass wir mittlerweile wirklich ausgelaugt waren. Schließlich waren wir bereits seit 26 Tagen fast ununterbrochen auf Achse und im Schnitt jeden zweiten Tag auf Safari, davon acht Tage am Stück im Kruger Nationalpark.

So sehr wir die Zeit auch genossen und so sehr wir die Tiere auch liebten, wir waren einfach fertig. Uns hatte die Safarimüdigkeit gepackt, falls es so etwas überhaupt gibt. Es war an der Zeit zu gehen. Auf den letzten Metern zum Phalaborwa-Tor, durch das wir den Kruger verlassen wollten, hielt der Park aber noch eine echte Überraschung für uns parat.

Seltenes Abschiedsgeschenk

Als hätte sich der Kruger Park für unseren Besuch bedanken wollen, präsentierte er uns eine wirklich seltene Sichtung ganz zum Schluss. Unter einem Busch am Straßenrand lag ein großes schnell atmendes Fellknäuel, das bei genauerem Hinsehen aus mehreren Individuen bestand. Ab und zu hob sich ein Kopf. Große löffelartige Ohren, ein schwarz-hellbrau-geschecktes Fell. Auf den ersten Blick dachten wir, dass es sich um Hyänen handelte. Aber nein!

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Afrikanischer Wildhund im Kruger Nationalpark

Vor uns lag ein Rudel afrikanischer Wildhunde. Ein echter Glücksfall wie sich bei späteren Recherchen herausstellte. Nur noch 7.000 Tiere umfasst der Gesamtbestand weltweit, im Kruger soll es nur noch 115 geben. Sichtungen sind deshalb und wegen ihrer nomadischen Lebensweise äußerst rar. Das Jagdrevier eines Rudels, kann bis zu 500 Quadratkilometer groß sein. In einem Rudel gibt es ein sogenanntes Alpha-Paar, das in der Regel allein für Nachwuchs sorgt. Andere geschlechtsreife Rudelmitglieder stellen ihren Hormonhaushalt derartig um, dass sie sogar vorübergehend unfruchtbar werden können.

Afrikanische Wildhunde sind sehr soziale Tiere. Verwundete und alte Mitglieder werden unterstützt, solange sie dem Rudel noch folgen können. Diesen ausgeprägten Zusammenhalt konnten wir nun live beobachten. Die Wildhunde rückten sich gegenseitig dermaßen auf die Pelle! Aber alle schienen es in vollen Zügen zu genießen. Nur ab und zu stand mal einer von ihnen auf, jedoch nur, um sich auf der anderen Seite des Knäuels noch dichter anzukuscheln.

Auf Wiedersehen Kruger Nationalpark!

Auf Wiedersehen du wundervoller Nationalpark !


Der Kruger ist kurz gesagt eine Superlative, sowohl was Popularität und Besucherzahlen angeht, als auch in seiner schier endlosen Größe und Weite. Nicht zu vergessen, seine einzigartige Vielfalt an Pflanzen und natürlich der tierischen Bewohner, die es mit allen Mitteln zu schützen gilt!

Der Kruger ist riesig! Trotz unserer acht Tage dauernden Reise durch den Park, haben wir noch lange nicht alles gesehen. Wahrscheinlich braucht man dafür Jahre. Zudem gibt es Pläne den Park über die Grenzen von Südafrika hinaus zu erweitern. Angrenzende Nationalparks in Mosambik und Simbabwe sollen zusammen mit dem Kruger Nationalpark zum Great Limpopo Transfrontier Park verschmelzen. Geplant ist, ihn auf eine Größe von unfassbaren 99.800 Quadratkilometern auszudehnen, eine Fläche größer als Portugal.

Auf eine erfolgreiche Zukunft!

Ein genauer Zeitplan dazu existiert allerdings nicht, da zunächst noch etliche Probleme beseitigt werden müssen. Mosambik ist beispielsweise eines der ärmsten Länder der Welt und hat immer noch mit den Nachwehen eines jahrelangen Bürgerkriegs zu kämpfen. In Simbabwe herrschen Hunger, Arbeitslosigkeit und Energieknappheit. Der Weg zum Great Limpopo Transfrontier Park ist also alles andere als gesichert, kann aber bei Erfolg Aufschwung für alle Beteiligten bedeuten. Also! Auf eine erfolgreiche Zukunft!

 


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