Augrabies Falls Nationalpark

Ort des tosenden Lärms

Nach dem Namaqualand ging es weiter in den Augrabies Falls Nationalpark. Der Name der Augrabies Wasserfälle leitet sich von dem Wort Aukoerebis aus der Sprache der San ab und bedeutet so viel wie “Ort des tosenden Lärms”. Der Oranje-Fluss ist mit 2.200 km der längste Fluss Südafrikas und stürzt hier eine 56 Meter tiefe Schlucht hinab. Während der Regenzeit tut er dies auf bis zu 150 Metern Breite. Wegen der extremen Trockenheit, war von dem sonst so mächtigen Wasserfall jedoch nur noch ein relativ schmaler Streifen geblieben. Tosend war die Geräuschkulisse allerdings trotzdem.

Auf den Fotos auf Infotafeln vor der Rezeption bekamen wir eine Ahnung, welch Ausmaße die Wassermassen bei Fluten der vergangenen Jahre und Jahrzehnte annahmen. Einige der sechs Aussichtsplattformen, lagen dann komplett unter Wasser oder wurden gar gänzlich zerstört. Ohne diese Bilder war das für uns völlig unvorstellbar.

Auf den weiteren Tafeln waren übrigens auch noch etliche Informationen über die Flora und Fauna des Nationalparks. Besondere Aufmerksamkeit erweckten bei uns die Auflistung von Skorpionen, inklusive Gefährlichkeitsskala. Nach unserem Skorpionvorfall im Namaqualand, konnten wir hier den Übeltäter identifizieren und als harmlos einstufen. Teilweise war es gar nicht so leicht zu erkennen, ob es sich nun um ein harmloses oder gefährliches Exemplar handelte. Leichter war es bei den Schlangen. Hier wurde nur zwischen gefährlich und sehr gefährlich unterschieden.

An den Aussichtsplattformen am Wasserfall bekamen wir viele kleine Freunde vor die Linse. Auf den von der Sonne aufgeheizten Felsen, krabbelten überall Augrabies-Plattgürtelechsen, deren Männchen in einen Farbtopf gefallen sein müssen. Während das Weibchen nur Brauntöne vorweist, präsentieren sich Männchen in knalligem blau mit gelben Vorderbeinen, roten Hinterbeinen und braunem Schwanz. Diese kunterbunte Echsenart ist endemisch, also nur hier anzutreffen.

Lehrstunde in der mobilen Abendschule

Noch für den selben Abend buchten wir eine Nachtfahrt durch den Augrabies Nationalpark. Unser Guide Thies, verfrachtete uns vier in seinen Safari-Truck und drückte uns zwei Lampen in die Hand. “Ihr seid meine Augen”, erklärte er uns und losging es. Nach wenigen Minuten Fahrt hielt er an und zeigte auf den inzwischen in Rot- und Orangetönen schillernden Horizont, an den die Umrisse größerer Felsen stießen. Er hatte eine Eule erspäht, die auf einem der Steine saß. Von wegen “Wir sind seine Augen”. Er hatte den Raubvogel einzig an der Silhouette erkannt und das auf eine enorme Distanz.

Weiter ging es. Das Abendlicht wich immer mehr und mehr einem unfassbaren Sternenhimmel. Eine Oryxantilope trank aus einem Bach, der die Straße kreuzte und ab und zu sprangen Hasen vom Wegesrand in die Büsche. Thies erklärte uns, dass der Hase das schnellste Landsäugetier ist, wenn man die Einheit Körperlänge pro Sekunde heranzieht. In dieser Relation ist er sogar schneller als ein Gepard. Ein paar Klippschliefer tummelten sich auf einem Felsen und verschwanden in ihren Verstecken, als wir uns näherten.

Die meisten Tiere sahen wir nur in der Ferne anhand der Reflexionen ihrer Augen. Immer wieder schimmerten grüne, blaue und gelbe Lichtpunkte in der Dunkelheit. Ein weiteres Mal lernten wir etwas in unserer mobilen Abendschule: Die unterschiedlichen Farben kamen nicht etwa von verschiedenen Tierarten, sondern waren die Augenfarben von Oryxantilopen.

Absolute Stille in mondloser Nacht

Wir hatten nun schon eine Weile keine Entdeckungen mehr gemacht, als Thies hielt und den Motor abstellte. Erst jetzt wurde uns die absolute Stille um uns herum bewusst. Kein Windzug, keine Tierlaute, nicht einmal das sonst allgegenwärtige Grillenzirpen war zu hören. Es war einfach totenstill. Es war so ruhig, dass man das Blut in seinen Ohren rauschen hören könnte. Noch beeindruckender als die Ruhe, war nur noch der Sternenhimmel. Der Himmel war nicht nur völlig wolkenlos und klar, auch der Mond war verschwunden. Beste Voraussetzungen also, für einen Blick in den Nachthimmel.

Thies zeigte uns Venus und Jupiter, die besonders hell schienen am Firmament. Mit seinem Fernglas konnte man sogar zwei Jupitermonde erkennen. Das Sternbild des Orion steht auf der Südhalbkugel übrigens “auf dem Kopf” und ist hier auch kein Wintersternbild, wie beispielsweise in Europa, sondern ist am Sommerhimmel zu finden. Thies deutete auf das Schwert des Orion, wo sich der Orionnebel befindet: “Dort werden Sterne geboren”.

Wir standen also mitten in der Wildnis, in stockfinsterer Nacht, mit einem Sternenhimmel, der Seinesgleichen suchte. Dass wir auf dieser Nachtsafari nicht wirklich viele Tiere sahen, wurde völlig zur Nebensache. Es war magisch.

Auf der Suche nach dem Hartmann-Zebra

Am nächsten Morgen fuhren wir auf eigene Faust hinein in den Nationalpark und nahmen uns vor, einige Wasserlöcher abzufahren, weil wir uns dort die besten Chancen auf Tiersichtungen ausmalten. Im Augrabies Falls Nationalpark gibt es jede Menge zu entdecken, wie zum Beispiel verschiedene Antilopenarten, Giraffen, Leoparden, äußerst seltene Spitzmaulnashörner, den Erdwolf (der kleinste Vertreter der Hyänen) und das Hartmann-Zebra. Diese sehr seltene Zebraart hat im Gegensatz zum Steppenzebra keine Streifen am Bauch.

Wir hielten also die Augen offen. Allerdings waren die meisten Wasserlöcher schlichtweg nicht existent, da sie vollständig ausgetrocknet waren. Erneut kletterte das Thermometer über die 40-Grad-Marke. Dementsprechend wenig Tiere waren in der sengenden Hitze unterwegs. Vereinzelt sahen wir Oryx-Antilopen und Springböcke. Das war dann allerdings auch schon das Höchste der Gefühle.

Das letzte Wasserloch, das wir anfuhren, war zwar ebenfalls nichts als Sand und Staub, jedoch hatte man hier eine Tränke aufgestellt, die aus einem großen Wassertank mit Wasser gespeist wurde. Auch hier sahen wir Oryx-Antilopen und Springböcke. Und wir fanden auch ein Hartmann-Zebra. Besser gesagt, das was davon noch übrig war. Die Knochen des Kadavers waren fast restlos feinsäuberlich abgenagt. Nur an den Läufen und dem Schädel überzog das markant gestreifte Fell noch die Knochen. Ein beklemmender Anblick, doch auch dies gehört nun mal dazu.

Kurz vor Schluss die Nackenstarre

Wir waren bereits vier oder fünf Stunden unterwegs und auf dem Rückweg zum Camp. Ehrlich gesagt waren wir auch ein wenig enttäuscht, nicht so viele Tiere gesehen zu haben. Aber so ist das halt. Niemand garantiert dir, dass dir Tiere vor die Kamera laufen. Es ist halt die Wildnis. Natürlich! Unberechenbar!

Wir waren schon fast am Tor und hatten uns gerade damit abgefunden, als uns plötzlich mehrere meterlange Stelzen den Weg versperrten. Eine Familie Giraffen legte hier eine ausgiebige Mittagspause ein. An diesem kurzen Stück der Straße kreuzte wieder der Bach unseren Weg, der diesen raren grünen Fleck in die Einöde zauberte. Gemütlich futterten die Langhälse in den hohen Baumwipfeln und ließen sich von uns überhaupt nicht stören.

Die Giraffen hier im Augrabies Falls Nationalpark haben eine hellere Fellfarbe als andere Arten, um besser mit der Hitze zurechtzukommen. Da fahren wir also etliche Stunden quer durch die Wüste, auf der Suche nach Tieren, die wir noch nicht gesehen hatten, um dann quasi direkt vor der Haustür auf Giraffen zu treffen. Das Highlight also mal wieder kurz vor Schluss. Wir genossen es natürlich in vollen Zügen, dass die sanften Riesen so tiefenentspannt waren und uns so nah an sich heranließen. So nah, dass wir beim Fotografieren fast in Nackenstarre verfielen.

Auch am Abend, als es bereits dunkel war, schien es, als ob nicht wir die Tiere suchten, sondern sie uns. Auf dem Camp-Gelände entdeckten wir eine Kleinfleck-Ginsterkatze. Sie sieht aus wie eine gepunktete in die Länge gezogene Hauskatze, ist nachtaktiv und sehr scheu. Kurz danach sahen wir keine zwei Meter neben der Tür unseres Bungalows einen großen Fleckenuhu auf einer Mauer hocken.

So ging unsere Zeit im Augrabies Falls Nationalpark doch noch mit ein paar tierischen Überraschungen zu Ende und wir gingen zufrieden zu Bett.