Roadtrip

Reise zum Mittelpunkt Europas

„Jetzt rechts abbiegen.“„Hier? Niemals! Das ist ein Feldweg!“ Turtle-Car hatte sich bereits auf einen kleinen Hügel gekämpft. Die Straße verwandelte sich in ein Trümmerfeld. Turtle-Car ist vieles. Klein, extrem grün, ein Parkplatzwunder, ein Wendekreisphänomen, aber mit Sicherheit kein Geländewagen.

Wir kamen gerade vom geographischen Mittelpunkt Europas, ein hübscher Stein mit einer Inschrift, dass sich eben genau hier Europas Mitte befindet. Durch unterschiedliche Berechnungsmethoden und verschiedene Definitionen der Grenzen Europas, beanspruchen ihn allerdings mehrere Orte. Aber da wir nun mal in der Slowakei waren, haben wir den „slowakischen“ Mittelpunkt Europas gern mitgenommen.⠀

Das Navi schlug uns von hier aus zwei Wege vor. Wir entschieden uns für den kürzeren. Es stellte sich später jedoch als Fehler heraus! Wir waren erstaunt, dass dieser postapokalyptische Pfad des Verderbens überhaupt in Karten existiert. Half alles nix – Kehrt gemacht, die bereits zurückgelegten Kilometer zurückgefahren und und den längeren Weg eingeschlagen.

Schloss Weinitz

Angekommen in Bojnice, besuchten wir das Schloss Bojnice oder zu Deutsch Schloss Weinitz. Das Bauwerk ist wirklich wunderschön und ungefähr so, wie man sich ein Märchenschloss vorstellt. Gleichzeitig ist es das meistbesuchte Museum der Slowakei. Und das sah man sofort! Die Warteschlange reichte bis über den Schlossgraben hinaus. Damit hätten wir an einem relativ diesigen Tag unter der Woche nicht wirklich gerechnet. Es lag höchstwahrscheinlich daran, dass in der Slowakei gerade Sommerferien waren. Wir gaben uns mit einer Besichtigung von außen zufrieden und fuhren weiter.

Čičmany

Der nächste Stopp führte uns nach Čičmany. Dieser niedliche Ort ist bekannt für seine traditionelle Architektur. Die kleinen dunklen Holzhäuser sind mit zahlreichen weißen Ornamenten verziert. Ein echter Hingucker.⠀

Unser letztes Ziel an diesem Tag war Ružomberok. Ein Erlebnis der besonderen Art hatten wir bei der Ankunft in unserer Unterkunft. Wir fanden die Rezeption nicht sofort und gingen zunächst um das Gebäude herum. Nachdem wir an einer verschlossenen Tür rüttelten, öffnete uns ein Mann. Er war, sagen wir mal, “etwas knapp bekleidet”. Mit einer Hand hielt er ein Handtuch um seine Hüften gespannt. Kein Bade- oder Saunatuch, sondern ein klitzekleines Handtuch. Gerade groß genug, um seinen halben Hintern zu bedecken. Doch das hielt ihn nicht davon ab, uns behilflich zu sein und uns den Weg zur Rezeption zu zeigen. Schnurstracks eilten wir hinter ihm, mit bester Aussicht auf seinen Allerwertesten, zur Rezeption. Manchmal brauchen Helden kein Cape, sondern nur ein kleines Handtuch.

Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende.