Katskhi und Tschiatura

Minikloster in luftigen Höhen

Katskhi ist nur ein kleines Dorf. Hier gibt es tatsächlich nicht wirklich was zu sehen. Allerdings befindet sich ganz in der Nähe eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Georgiens – Die Katskhi-Säule. Auf der Spitze des freistehenden Kalksteinfelsens, steht ein Kloster. Ein klitzekleines zwar, aber ein Kloster. Auf einer Fläche von gerade einmal 10 x 15 m. Bestehend aus Kapelle mit Krypta und einem Wohngebäude. Es gibt sogar einen Weinkeller – typisch georgisch!

Die beste Sicht auf den Felsen hat man von einer gegenüberliegenden Klippe, an einer Stelle in einem kleinen Wald. Wirklich nicht leicht zu finden. Natürlich gingen wir zunächst schnurstracks am Aussichtspunkt vorbei. An unseren Navigationskünsten zweifelnd, kehrten wir jedoch rechtzeitig um und fanden den unscheinbaren Trampelpfad, der uns zur besagten Stelle führte. Man konnte von hier sehr gut die 40 m lange Strickleiter sehen, über die man nach oben gelangt. Hier könnten wir es durchaus verstehen, wenn der Paket-Bote nur eine Benachrichtigungskarte da lässt. 

Tschiatura - Die vergessene Stadt

Unser zweites Ziel an diesem Tag war Tschiatura. Die Stadt liegt in einem Tal und an dessen steilen Hängen. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Bröckelnder Sowjet-Schick wohin man nur schaut. Alles wirkte, als hätte man überall absichtlich die Farben reduziert, irgendwie grau. Sogar der Fluss Kvirila, der die Stadt durchfließt war pechschwarz. Oft fiel es uns schwer zu glauben, dass in den baufälligen Gebäuden noch Menschen leben. 

1992 war die Gas-, Wasser- und Stromversorgung komplett zusammengebrochen. Strom ohne private Dieselgeneratoren gibt es erst seit 2004 wieder. Die Wasserleitungen sind inzwischen völlig verrottet, sodass es nur alle 3 bis 5 Tage für eine halbe Stunde fließend Wasser gibt. Trinkwasser muss oft von außerhalb besorgt werden, da es in der Stadt nur einige wenige Brunnen gibt. Ohne Gasversorgung, muss selbst in den gewaltigen Plattenbauten mit Holzöfen geheizt werden. Es kommt einem vor, als hätte man diese Stadt irgendwie vergessen.

Rostige Gondeln - Nostalgie an Seilen

Wir waren jedoch keinesfalls hier, um uns an den Missständen zu ergötzen. Tschiatura ist nämlich berühmt für seine vielen Seilbahnen, die größtenteils aus den 50ern und 60ern stammen. Früher florierte hier der Mangan-Bergbau. Bis zum ersten Weltkrieg waren fast alle Abbaufelder sogar in deutscher Hand. Nach der Oktoberrevolution diente das Manganerz dem Aufbau der sowjetischen Schwerindustrie. Heute sind die Bodenschätze weitesgehend erschöpft. Die einst 26 Personen-Seilbahen und über 50-Materialseilbahnen beförderten Bergarbeiter, Werkstoffe und Abbauerzeugnisse. Heute sind nur noch wenige von ihnen noch im Betrieb. Leider hatten wir Pech, denn sämtliche Gondeln standen wegen Wartungsarbeiten für ein paar Wochen still. Wirklich Schade. Man kann wahrscheinlich sonst nirgends in solch historischen Seilbahnen fahren. Auch wenn hier eine große Portion Mut und Nervenkitzel dazugehört.

Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens ein paar der schwebenden Särge, wie die Einheimischen sie nennen, noch erhalten bleiben. Eine gerade im Bau befindliche neue Seilbahn, ist nämlich schon bald fertiggestellt. Mit den historischen Gondeln, würde Tschiatura einen Touristenmagneten verlieren, der eine neue Chance für die Stadt bedeuten könnte. Zunächst muss man jedoch die vielen Baustellen in den Griff bekommen, um den Bewohnern wieder ein angemessenes Leben zu ermöglichen.