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Familiäre Fürsorge in Štrba

Štrba: Ein kleines Örtchen zwischen niederer und hoher Tatra. Von unserer Unterkunft hatten wir einen tollen Blick in beiden Richtungen auf die Berge. Das große Haus, von dem ein Teil an Gäste vermietet wird, gehört den Luptaks. Julius, schon weit über 70, ist Sportler durch und durch. Er betreute 1998 das slowakische Skilanglaufteam bei den olympischen Winterspielen in Nagano. Marta ist eine Rundum-Sorglos-Mutti. Obwohl sie kein Englisch sprach und auch nur einzelne Worte Deutsch, strahlte sie Geborgenheit und Fürsorge aus.

Mit der Zahnradbahn nach Štrbské Pleso

Mit der Zahnradbahn ging es für uns hinauf nach Štrbské Pleso, dem Austragungsort der Nordischen Skiweltmeisterschaften 1970. Viele Bauwerke weisen heute noch auf diese Zeit hin. Kein Wunder – Der Ort wurde hierfür umfangreich ausgebaut. Doch inzwischen säumen auch viele moderne und vor allem große Hotelkomplexe den gleichnamigen See. Gut zu sehen war auch die Skisprunganlage vor den Gipfel der Hohen Tatra. Das Panorama ist malerisch. Wir wissen allerdings nicht, ob es das sehr touristische Flair, die vielen vielen Menschen oder die Erschöpfung von unserer letzten Wanderung waren. Aber irgendwie wurden wir nicht warm mit diesem Ort. Nach einem Spaziergang rund um den See, fuhren wir auch schon wieder hinunter ins Tal. 

Turtle-Car brachte uns dann noch zu einem netten kleinen Restaurant, wo uns im Garten zwei niedliche Schäfchen begrüßten.

Wandern in der Hohen Tatra

Am nächsten Tag spürten wir zwar immer noch die Nachwehen von unserer Wanderung in der kleinen Fatra, aber wir waren schließlich auch in der Hohen Tatra zum Wandern. Also hieß es: Auf zum großen Hinzensee – Der größte und tiefste Gebirgssee der Slowakei. Im Schnitt ist seine Oberfläche 270 Tage im Jahr zugefroren. Es ging los. Zunächst auf einer asphaltierten Straße, vorbei an hunderten parkenden Autos. Ja, hier war eine Menge los! Immer wieder begegneten wir größeren Wanderergruppen, die wir oder die uns überholten. Wir stoppten kurz am Popradske Pleso – Ein herrlicher Bergsee. Die sich in den See ergießenden Bäche glitzerten in den spärlichen Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die wenigen Wolkenlöcher bahnten. Ab hier wechselte man von Asphalt auf einem Waldweg. Je steiler es wurde, desto mehr Steine und Felsen säumten den Weg, über die man steigen musste. Man fühlte sich wie in einem Jump’n’run-Spiel oder wie bei “der Boden ist Lava”. Die Route war begleitet von Gebirgsbächen. Überall plätscherte es. Manchmal wurde der Weg Teil des Bachs und umgekehrt. So ergossen sich nicht selten kleinere Wasserrinnsale direkt auf dem Pfad. Die Wolken hingen tief und ein leichter Dunstschleier war in der Luft. Nicht das beste Wetter, aber die Stimmung war mystisch, was es wiederum einzigartig machte.

Der Große Hinzensee

Die letzten Höhenmeter lagen vor uns. Die Vegetation wurde spärlicher, Bäume verschwanden ganz. Unzählige neongrüne Flechtengewächse zierten große und kleine Felsen mit einem camouflageartigen Muster. Es wurde deutlich kälter. Gut, dass uns Marta zu Jacken geraten hatte. Wir hätten sie zwar sowieso eingepackt, aber Mutti Marta hat sich halt vergewissert. Bald darauf standen wir vor dem beeindruckenden Bergsee, umgeben von wolkenverhangenen Felswänden. Etwas abseits der anderen Wanderer machten wir Mittagspause mit Blick auf den See. Auch hier waren wir wieder mächtig stolz auf uns, dass wir Couchpotatoes es tatsächlich bis hier hoch geschafft haben.

Der Abstieg führte über dieselbe Route. Am Ende sind wir knapp 18 km gelaufen und haben einen Höhenunterschied von 759 m gemeistert, bis hoch auf 1.946 Meter. Unser Fazit: Der Weg war wunderschön und auch für Anfänger geeignet. Der spektakuläre Blick auf den See, macht den teils doch recht stark frequentierten Weg wieder wett.

So ein Aufstieg lässt einen schon das ein oder andere Mal fluchen und sich fragen, warum man sich den Scheiß überhaupt antut. Kommt man aber an seinem Ziel an, ist alles vergessen. Man ist einfach glücklich und stolz auf sich.

Bei unserer Rückkehr vergewisserte sich Marta ob wir einen guten Tag hatten und ob uns die Hohe Tatra gefiel. Selbst wenn sie uns nicht gefallen hätte, wäre uns dieser Ort wegen ihrer Herzlichkeit in bester Erinnerung geblieben