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Rosa Pracht im West Coast Nationalpark

Nicht weit weg von Kapstadt machten wir einen kurzen Zwischenstopp im West Coast Nationalpark. Wie der Name schon sagt, liegt dieser Park an der Westküste Südafrikas. In Kapstadt hatten wir entschieden, uns die Wildcard zu kaufen. Mit der hat man ein ganzes Jahr freien Eintritt in sämtliche Nationalparks in Südafrika. Bei Tagespreisen von bis zu 25 Euro pro Person, rentiert sich das relativ schnell. Die Preise ändern sich allerdings teilweise mehrmals im Jahr. Im November 2019 kostete die Wildcard etwa 150 Euro pro Person. Im West Coast Nationalpark kann man allerhand Antilopenarten, Gnus und Zebras sehen. Doch vor allem zeichnet sich der Park durch sein Artenreichtum an Vögeln aus. Im Sommer beheimatet er etwa 750.000 Vögel. Eines der Highlights sind hier aber sicherlich die Flamingos, die mit ihrem kräftigrosanen Federkleid in der türkisblauen Langebaan-Lagune einen krassen Farbkontrast bieten. Wir schlenderten die Stege entlang, die bis weit hinein in die Lagune führten, mit bester Sicht auf diese interessanten Vögel. Leider hatten wir noch eine lange Fahrt vor uns, sodass uns nicht viel Zeit blieb und wir bald wieder aufbrechen mussten.

In 600 Kilometern links abbiegen

Knapp 600 Kilometer lagen zwischen Kapstadt und unserem Ziel, dem Namaqualand. 600 Kilometer, in denen es vor allem nur eine einzige Richtung gab – geradeaus. Kurven waren absolute Mangelware. Man hatte nicht selten eine, wie mit dem Lineal gezeichnete, schier endlos erscheinende Straße vor sich, die bis zum Horizont die Landschaft in zwei Hälften schnitt. Die Vegetation wurde spärlicher und wich mehr und mehr sandiger Steppe. Eigentlich fährt man im August und September in das Namaqualand. Wenn die Temperaturen stimmen und es genug regnet, kommt es in diesem Zeitfenster zu einer prachtvollen Wüstenblüte. Der scheinbar sonst so lebensfeindliche Wüstenboden, wird dann von einem wunderschönen Blütenteppich überzogen. Jetzt im Dezember glich die Landschaft mit ihrem rotem Wüstensand eher dem Mars. Auch das hatte definitiv etwas Wunderschönes. Der Blick in die endlose Weite war einfach spektakulär. Spätabends erreichten wir unsere Unterkunft in völliger Abgeschiedenheit.

Der holprige Weg zum Namaqua-Nationalpark

Unsere erste Station im Namaqualand war natürlich der Namaqua-Nationalpark. Wir fuhren den Weg, den Google als den schnellsten ausgespuckt hatte. Als dieser aber über immer holprigere Schotterstraßen führte, wurden wir langsam etwas stutzig. Auch die völlig fehlende Ausschilderung beunruhigte uns etwas. Erst als wir in einem kleinen Dorf eine Einheimische nach der korrekten Richtung fragten, gelangten wir schließlich zu einem der Eingangstore. Zu unserer Verwunderung war hier allerdings niemand, der Eintritt verlangte oder Kontrollen durchführte. Hier war außer uns einfach kein Mensch. Naja was solls, das Tor stand nun mal offen, also nix wie rein! Weiterhin umgaben uns nichts als Sand und Steine. Eine ganze Weile bekamen wir auch nichts anderes zu sehen. Keine Tiere, keine anderen Besucher, nur hier und da ein paar völlig vertrocknete Sträucher und knorrige Bäume.

Es sind die kleinen Dinge im Leben

Wir hatten ja bereits 2016 in Kenia eine Safari gemacht und Bolle und Marco waren bereits das vierte Mal in Südafrika. Wir hatten also alle schon einmal eine Antilope gesehen. Als dann aber nach Stunden der erste Springbock auftauchte, flippten wir allesamt völlig aus und zückten die Kamera, als ob wir die Big Five auf einen Schlag entdeckt hätten. Es sollte natürlich nicht das letzte Tier hier gewesen sein. Später entdeckten wir noch Oryxantilopen mit ihren beeindruckenden Hörnern und ihrer schwarz-weißen Gesichtszeichung. Trotzdem blieb es eine Herausforderung hier die Tiere zu erspähen. Es war nämlich nicht nur Nebensaison, sondern es herrschte auch noch eine extreme Trockenperiode. Kurz bevor wir den Park wieder verließen, hatten wir doch noch eine ganz besondere Sichtung. Auf einem Felsen, einige Meter neben der Straße, stand ein Erdmännchen, das wachsam die Umgebung beobachtete. Keine 10 Minuten davor hatten wir uns darüber unterhalten, wie toll es währe, hier ein Erdmännchen zu sehen. Es war total interessant zu sehen, wie der Späher bei drohender Gefahr mit seiner Kolonie kommunizierte und daraufhin Dutzende kleine Kerlchen in Felsspalten und Erdlöchern verschwanden. Wir freuten uns – Achtung Wortwitz – wie Bolle! Manchmal sind es eben die kleinen Dinge. Kurz danach erreichten wir ein weiteres Tor, das sich schließlich als Haupteingang herausstellte. Wir fanden heraus, dass wir den Nationalpark quasi durch die “Hintertür” betreten hatten. Theoretisch hätte man ihn auf dem gleichen Weg auch wieder verlassen können, ohne etwas zu zahlen. Da wir aber die Wildcard hatten, war das eh irrelevant.

Sternenhimmel im Zeichen des Skorpion

Zurück in der Unterkunft ließen wir es für den Rest des Tages ruhig angehen. Für den Abend hatten wir uns aber fest vorgenommen, ein paar Fotos vom Sternenhimmel zu knipsen. Wir bereiteten alles vor, stellten die Kamera auf und genossen die warme Wüstennacht. Als wir auf der kleinen Steinbank auf unserer Terrasse saßen, bemerkte Moni plötzlich ein leises Kratzen. Die absolute Stille wurde von jetzt auf gleich durch ihren lauten Aufschrei zerrissen. Wie vom Blitz getroffen sprang sie aus dem Sitz mindestens zwei Meter nach vorne, inklusive 180-Grad-Schraube. Haltungsnote 10! Neben ihr auf der Bank hatte sich kurz vorher etwas auf uns zu bewegt und war drauf und dran hinter ihren Rücken zu krabbeln. Die Taschenlampen gezückt, stellten wir erschrocken fest, dass wir unseren Sitzplatz mit einem etwa handtellergroßen Skorpion geteilt hatten. Was für ein Schock. Die mit dem Abend einsetzende Müdigkeit, war schlagartig passé. Einige Tage später stellte sich heraus, dass wir es mit einem ungefährlichen Exemplar zu tun hatten, aber man weiß ja nie. Bei Skorpionen gilt die Faustregel: Dicke Scheren, dünner Schwanz – ungefährlich. Dünne Scheren, dicker Schwanz – bleib bloß weg! Ach ja und die Sternenbilder sind toll geworden.

Goegap Nature Reserve – Wanderung bei 42°C

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Goegap Nature Reserve. Das Naturschutzgebiet gehört nicht zu den SANParks (South African National Parks). Unsere Wildcard verschaffte uns somit keinen freien Eintritt, allerdings tat dieser mit nicht einmal 2 Euro pro Person wirklich nicht weh. Das Auto abgestellt, ging es für uns zu Fuß weiter. Wir hatten die Wahl zwischen zwei Wanderwegen und wählten den längeren. Super Idee, bei 42 Grad im Schatten den längeren Weg zu nehmen. Auch hierher verschlägt es Touristen eher zur Wüstenblüte, sodass wir wieder die einzigen Besucher waren und wieder dominierten Sand und verdörrte Gewächse. Neu hinzu kamen diesmal jedoch Berge und genau über diese führte unsere Route. Es dauerte keine drei Minuten, als uns allen der Schweiß in Strömen lief. “Schaut mal da drüben”, rief Bolle und deutete dabei auf eine glatt geschliffene Felswand, “Dort müsste eigentlich ein Wasserfall sein.” Goegap bedeutet in der Nama-Sprache so viel wie Wasserloch. Von Wasser war jedoch weit und breit keine Spur, genau so wenig, wie von Tieren. Verständlich war es ja. Bei der Hitze verkroch sich eben alles in schattige Plätzchen, unter die Erde oder zwischen die Felsen. Nur wir Deppen marschierten durch die sengende Mittagsglut. Man muss aber sagen, dass auch hier die Aussicht einfach großartig war. Unsere Blicke schweiften über eine atemberaubende Sandlandschaft, wie von einem anderen Planeten. Nichtsdestotrotz waren wir am Ende unserer Wanderung alle dem Hitzschlag nahe und waren froh, als die Klimaanlage im Auto ihren Job tat. Den restlichen Tag verbrachten wir im Pool auf der Anlage unserer Unterkunft – Mit Abstand die beste Entscheidung an diesem Tag.