Kapstadt

Kapstadt - Stadt am Fuße des Tafelbergs

Sie ist abwechslungsreich und geschichtsträchtig. Modern und multikulturell. Und doch oft mit Vorsicht zu genießen. Wir checkten in unserem Appartement am Greenmarket Square ein und ließen erst einmal von unserem kleinen Balkon aus auf uns wirken. Das geschäftige Treiben unten auf dem Markt wurde filmreif von afrikanischen Gesängen und Trommlern untermalt. Was hier aber auch sofort ins Auge stach, waren die krassen Gegensätze. Auf der einen Seite des Platzes saßen wohlhabende Geschäftsleute in einem Café und schlürften Prosecco in ihren schicken Anzügen, schräg gegenüber kampierten obdachlose Flüchtlinge aus nördlicheren Staaten Afrikas vor einer Kirche. Die Schere zwischen Arm und Reich war hier offensichtlicher, als in allen anderen Ländern, die wir bisher bereisten.

Ein besonderer Abend mit Besuch aus Deutschland

Wir trafen uns hier mit den beiden Schnuckels Bolle und Marco von kommwirmachendaseinfach.de. Für einen unserer gemeinsamen Abende haben sich die beiden etwas ganz Besonderes ausgedacht. Zusammen fuhren wir in den Botanischen Garten Kirstenbosch am Osthang des Tafelbergs. Auf 36 Hektar werden hier unzählige heimische Pflanzenarten gezeigt. Bildschöne verschlungene Wege und sogar ein kleiner Baumwipfelpfad, führen durch den Park vor der spektakulären Kulisse des Tafelbergs. Der Botanische Garten war aber nicht der Hauptgrund, weshalb wir hier waren. Der Abend brach an und wir machten uns auf den Weg auf eine Veranstaltungswiese in der Nähe des Eingangs. Bolle hatte für uns alle Karten für das Freilichtkino gebucht, inklusive Schokolade, Popcorn und VIP-Plätzen mit Rückenlehne und Wolldecken. Die Stimmung war großartig. Überall picknickten die Besucher und genossen das Abendlicht und die Vorfreude auf den Film. Es war herrlich. Der Film “Into the Wild” bekam durch die Umgebung, in der immer wieder aus dem Hintergrund Tiergeräusche durchdrangen und einem ab und zu ein sanfter Windzug um die Nase wehte, eine noch größere Wirkung. Ein wirklich tolles Erlebnis!

Company's Garden und Bo-Kaap

Am nächsten Tag ließen wir uns ein wenig durch die Stadt treiben. Zuerst ging es für uns in den Company’s Garden. Der heute öffentliche Park, wurde ursprünglich als Garten für die Versorgung anlegender Schiffe von den ersten europäischen Siedlern in den 1650er-Jahren angelegt. Neben historischen Statuen und vieler teils seltener Pflanzen, sind hier vor allen die kleinen frechen Eichhörnchen das Highlight. Sie sind alles Andere als scheu und klettern einem bis auf den Schoß, um eventuell etwas essbares zu ergattern.

Danach gab es etwas für die Augen. Das Stadtviertel Bo-Kaap ist berühmt für seine bunten Häuser. Auch heute noch wird es vor allen von Kapmalaien bewohnt, jene muslimische Bevölkerungsgruppe, deren Vorfahren von den niederländischen Kolonialherren als Sklaven von Südostasien nach Südafrika gebracht wurden. Bo-Kaap wurde von ihnen nach Ende der Sklaverei im 18. Jahrhundert besiedelt. Hier befindet sich die älteste Moschee Südafrikas aus dem Jahre 1794. Weshalb die Bewohner ihre Häuser in kräftig leuchtenden Farben anmalten, ist unklar. Man vermutet jedoch, dass es neben dem Verschönerungsfaktor, auch ein Ausdruck von Individualität darstellte. Quasi ein stummer Protest gegen das Apartheid-Regime.

Heute ist Bo-Kaap ein beliebtes Touristenziel und Fotomotiv. Allerdings findet hier auch eine weitreichende Gentrifizierung statt, die durch Zuzug wohlhabender Bewohner und damit steigenden Mieten die Kapmalaien teilweise vertreibt.

Waterfront

Weiter ging es durch den Stadtteil De Waterkant in das Hafenviertel mit der Waterfront. Da große Teile des Hafens aufgrund von Boykotts gegen die Apartheid-Regierung brach lagen, entschied man Anfang der 90er-Jahre, hier in neue Nutzungsmöglichkeiten zu investieren. Heute ist die Victoria & Alfred Waterfront, so wie sie eigentlich heißt, ein Amüsierviertel. Hier findet man viele kulinarische Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten, Museen und Anbieter verschiedenster Aktivitäten – meist für den gutgefüllten Geldbeutel. Außerdem gibt es hier teure Luxusappartements inklusive Yachthafen. Jährlich zieht es über 23 Millionen Besucher hier her. Wir schlenderten über den Nobel Square, auf dem die Bronzestatuen der vier südafrikanischen Nobelpreisträger Albert John Luthuli, Desmond Tutu, Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela stehen. Sehr zu empfehlen ist hier auch der V&A Food Market, wo es jede Menge interessante Gerichte aus aller Welt zu probieren gibt. Letztendlich muss man aber sagen, dass die Waterfront eher ein Spielplatz für die Oberschicht ist.

Der Tafelberg

Wir bezogen unsere neue Unterkunft in Oranjezicht. Etwas merkwürdig war es anfangs schon, dass dort ständig Leute ein und aus gingen. Bei Airbnb war die Wohnung eigentlich als Ganzes inseriert. Stattdessen wohnten wir mit der Vermieterin samt Partnerin darin und die Nachbarstochter kam ab und zu rüber, um Netflix zu schauen. Aber egal, wir hatten ziemliches Glück mit unseren neuen Mitbewohnern. Die beiden waren unfassbar liebe Menschen. Wir hatten tolle Gespräche und haben viele Tipps fürs ganze Land bekommen. Außerdem wollten wir uns sowieso nicht nur in der Wohnung aufhalten.

Wir hatten noch eine Sache auf der “Kapstadt-Liste”, die wir nun angehen wollten – Der Tafelberg. Das Wahrzeichen Kapstadts ist 1.085 Meter hoch und bietet viele Aufstiegspfade. Wir entschieden uns für die Platteklip-Route. Sie ist die schnellste und einfachste Möglichkeit, um auf das Tafelbergplateau zu gelangen. Wir waren im Nachhinein froh, keinen schwierigeren Weg gewählt zu haben. Denn in der Sonne wurde es einem die meiste Zeit über sehr warm. Während des Aufstiegs waren natürlich aufgrund der Popularität des Tafelbergs stets viele andere Wanderer um uns herum. Neben uns genossen viele andere Deutsche, Holländer und Briten die spektakuläre Sicht auf Kapstadt. Schwitzend aber stolz, erreichten wir das Plateau. Man konnte ganz genau erkennen, wer zu Fuß gekommen war und wer die Seilbahn genutzt hatte.

Während wir nur noch zwei dampfende Haufen Fleisch waren, posierten überall junge Frauen, wie aus dem Ei gepellt, in ihren hübschesten Kleidchen für das perfekte Instagram-Foto. Man muss zugeben, dass der Hintergrund dafür auch einfach bestens geeignet war. Wir hatten klare Sicht auf die ganze Stadt, sahen von hier oben den Lion’s Head, das WM-Stadion und die Waterfront. Wir genossen diese Aussicht in vollen Zügen und fühlten eine Art Genugtuung, es aus eigener Kraft hierher geschafft zu haben. Für den Rückweg nahmen wir allerdings die Seilbahn, deren Gondeln sich während der Fahrt einmal um 360 Grad drehen.

Auf Wiedersehen Kapstadt!

Natürlich hatten wir noch lange nicht alles in Kapstadt und der Umgebung gesehen. Doch nun hieß es langsam Abschied nehmen. Doch eins steht mal fest: Wir sagen nicht “lebe wohl”, sondern “auf Wiedersehen”. Beim nächsten Mal würden wir uns gerne die Westseite der Kap-Halbinsel genauer ansehen, die Winelands besuchen, den Lion’s Head besteigen, surfen, mit Robben schnorcheln gehen und und und… Wir müssen definitiv irgendwann noch einmal wiederkommen! Bolle und Marco sackten uns in ihrem 4×4-Mietwagen ein und losging unsere gemeinsame Reise in den Nordwesten Südafrikas. Wir verließen Kapstadt und der Tafelberg wurde hinter uns immer kleiner.